Taiwan ist im Westen vor allem durch seine wirtschaftlichen Erfolge bekannt. Als einer der "Vier kleinen Tiger" begann die 160 Kilometer vor dem chinesischen Festland gelegene Insel nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nachfolge Japans eine geradezu klassische Phase der Industrialisierung, die vom "Formosa-Spargel" in Dosen über Plastikwaren und einfache Gerätschaften bis zu vollständigen Laptops und Flachbildschirmen reichte. Inzwischen ist Taiwan schon wieder einen Schritt weiter: Es schafft eigene, weltweit bekannte Marken, verlegt sich auf Handel und Dienstleistungen und lässt die Produkte zu preiswerteren Bedingungen in der Volksrepublik China fertigen. Verstehen lässt sich dieser erstaunliche Aufschwung nur vor dem Hintergrund der Geschichte Taiwans, die durch einschneidende Ereignisse gekennzeichnet ist: die frühe Besiedlung, eine koloniale Eroberung durch die Niederländer und andere Mächte, das brutale, aber auch wirtschaftlich erfolgreiche Kolonialregime der Japaner, die Flucht der Guomindang-Anhänger auf die Insel, nachdem sie den Bürgerkrieg in China gegen die Kommunisten verloren hatten. Aus einem autoritären Regime entwickelte sich in mehreren Schritten eine weitgehend demokratische Gesellschaft mit freien Wahlen - einmalig für den gesamten chinesischen Kulturraum.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2007
Oskar Weggels Buch bezeichnet Urs Schoettli rundheraus als Standardwerk zur Geschichte Taiwans. Kein leichter Wurf, wie Schoettli versichert, steht für ihn die Größe des Inselstaates doch in keinem Verhältnis zur Komplexität seiner politischen Struktur und Entwicklung. Weggels Schilderung der Demokratisierung Taiwans findet Schoettli zudem sachlich genug, um als Leitfaden für die "politische Modernisierung auf dem Festland" zu dienen. Wenngleich ihn die Lektüre gelehrt hat, dass im Fall Taiwans neben den politischen auch ethnische Sachverhalte eine Rolle spielten, hält der Rezensent den Band für eine gelungene Darstellung von Konfliktpotenzialen, die auch "für die weitere Welt von Bedeutung" sind.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…