Oskar Panizza

Die Menschenfabrik

Hörspiel
Cover: Die Menschenfabrik
Audio Verlag, 2002
ISBN 9783898131728
CD, 14,95 EUR

Klappentext

Bearbeitung und Regie: Christoph Kalkowski. Sprecher: Ute Springer, Thomas Gerber, Martin Engler u. a.. Musik: Schlammpeitziger. Ein Wanderer sucht Schutz vor Unwetter und Dunkelheit. Doch hinter der bereitwillig geöffneten Tür findet er einen Ort ungeahnten Schreckens: eine Fabrik, die den Menschen herstellt. Panizzas lange vergessene Groteske, die an Kafka und Huxley, E. T. A. Hoffmann und Orwell erinnert, erweist sich als Text von erschreckender Aktualität. Als künstlerischer Beitrag zur Gentechnikdebatte kommt die Produktion von Christoph Kalkowski ohne moralischen Zeigefinger aus. Dafür sorgt auch die Musik des Kölner Klangartisten Schlammpeitziger.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.07.2002

"Täterätaa!" Martin Z. Schröder beginnt seine Besprechung mit einem Tusch, so sehr hat ihn dieses Hörspiel begeistert. Er findet es einfach bemerkenswert, wie der Regisseur Christoph Kalkowski Oskar Panizzas hundert Jahre alte Groteske über eine Fabrik, in der Menschen hergestellt werden, bearbeitet hat. Kalkowski habe die "moralischen und weltanschaulichen Deutungen zurückgenommen" und die Handlung "beschleunigt": Diese "wenigen Handgriffe" genügten, um die Erzählung "aufzufrischen". Richtiggehend erneuert wurde das Ende der Geschichte, so der Rezensent, in dem sich die Menschenfabrik als die königliche Porzellan-Manufaktur von Meißen entpuppt. Auch die "meisterlich zart bearbeiteten" Dialoge haben es dem Rezensenten angetan. Doch was ihn geradezu hingerissen hat, sind die Musik, die "phantastischen Sprecher" und die Geräusche. Auch wenn sich der Rezensent beklagt, er könne all diese akustischen Eindrücke unmöglich in Schriftform bringen, so schreibt er doch schließlich verblüfft, dass in diesem "grandiosen Stück" sogar Farben "hörbar" werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2002

Ein Autor, der angefeindet und lange vergessen war, in den 70er Jahren mal kurzfristig eine kleine Renaissance erlebte und seither wieder in Vergessenheit geraten ist: Oskar Panizza. Er starb bereits 1921, berichtet Martin Zingg, also zu einer Zeit, als das Wort Gentechnik noch lange nicht erfunden war. Durch eine geschickte Umgestaltung des Textes komme der visionäre Charakter und die Aktualität von Panizzas grotesker Erzählung "Die Menschenfabrik" besonders zum Vorschein, meint er: die Vorlage berichtet von einem Wanderer, der in eine Fabrik gerät, in der Menschen hergestellt werden. Nun wurde der Text auf drei Stimmen verteilt; der Kölner Komponist (Klangartist, sagt Zingg) Schlammpeitziger hat eine Musik dazu geschrieben, die Zingg an "schräge Filmmusik" erinnert. Eine musikalische Inszenierung, die dieser Hörfassung der Panizza-Erzählung jedenfalls den letzten Schliff gibt.
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