Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. "Es war kein gewöhnlicher Winter. Die Kälte war schuld, die Anschläge waren schuld, schuld war die Politik der Zurückhaltung, die eine Decke über alles legte und die Bürger gefühllos machte." In jenem bitterkalten Winter versuchen sechs Israelis ihr Leben zu meistern - in einem Land, in dem Schusswechsel und Selbstmordattentate zum Alltag gehören: der arbeitslose Boaz und seine Frau Kati, eine lebensfrohe Putzfrau mit vier Kindern, die so gern ein Fernsehstar wäre; die reiche einsame Sprachwissenschaftlerin Liat und ihr Bruder Adir, der seine Geliebte Iris und die drei Kinder verlässt, weil er sich in das afrikanische Modell Tasaro verliebt hat. Die Angst vor dem nächsten Anschlag ist ihnen allgegenwärtig - und dennoch drängen der nächste Zahnarzttermin und die Reparatur der kaputten Waschmaschine.
Nicht wirklich gelungen findet Marco Stahlhut Orly Castel-Blooms Roman "Das Meer im Rücken", der in Israel als erster Roman gilt, der das Leben während der zweiten Intifada beschreibt. Die Technik des Romans erinnert den Rezensent an Robert Altmans "Short Cuts" oder Ingo Schulzes "Simple Storys": Ausschnitthaft folge der Roman dem Leben einiger Personen in Tel Aviv, die sich teils bekannt, teils lose miteinander verbunden seien. Mit ihrer Zusammenstellung aus europäischen, orientalischen und schwarzen Juden, aus verschiedenen Milieus, aus Arm und Reich und Aufsteigern und Absteigern, wolle die Autorin ein "Breitwand-Panorama der israelischen Gesellschaft" zeigen, hält Stahlhut fest. Das Schicksal der Personen sei dabei "über das Individuelle hinaus beispielhaft". Die Zeichnung der Personen findet Stahlhut allerdings zu oberflächlich. "Es liegt an der Überhöhung des Romanpersonals ins Beispielhafte einerseits", resümiert der Rezensent, "seiner Stereotypisierung anderseits, dass die Handlung den Leser trotz aller dramatischen Wendungen kalt lässt." Bedenklich scheint ihm zudem, dass Palästinenser ausschließlich als Attentäter auftauchen.
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