Orhan Pamuk

Diese Fremdheit in mir

Roman
Cover: Diese Fremdheit in mir
Carl Hanser Verlag, München 2016
ISBN 9783446250581
Gebunden, 592 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. Kann man die falsche Frau heiraten und trotzdem die große Liebe finden? Mevlut ist Straßenverkäufer in Istanbul, als er sich Ende der 60er Jahre auf der Hochzeit seines Cousins in die jüngere Schwester der Braut verliebt. Drei Jahre lang schreibt er ihr Liebesbriefe nach Anatolien. Doch dann schickt man ihm die ältere Schwester. Pflichtbewusst heiratet Mevlut Rayiha, und ausgerechnet ein Jugendfreund nimmt seine Angebetete zur Frau. Die beiden Familien leben drei Jahrzehnte in enger Verbundenheit, doch dann nimmt ihr Schicksal eine dramatische Wende. Istanbul aus der Sicht kleiner Leute: Ein Schelmenroman und ein Familienepos - vor allem aber eine erstaunliche Liebesgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2016

Im landläufigen Sinne "gut geschrieben" ist das Buch nicht, schreibt Ulrich Greiner. Aber er kann es trotz mancher sprachlichen Holprigkeit, die vielleicht auch der Übersetzung geschuldet sei, wärmstens empfehelen. Eine Menge hat Greiner aus der figurenreichen Geschichte über die letzten fünfzig Jahre in Istanbul gelernt, in der die Stadt von 1,3 auf 13 Millionen Einwohner wuchs. Alle großen Ereignisse spiegeln sich in den Personen wider. Wohl zwei Dutzend Dramatis personae gibt es, und am Ende kennt Greiner sie so gut, dass er nicht mal mehr im hilfreichen Personenregister des Bandes nachschlagen muss. Dieser Roman scheint also alles zu sein, was ein Roman sein soll: Lehrreich, und "traurig und amüsant".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2016

Angela Schader begegnet Orhan Pamuks Versuch, sich auf das Leben und den Alltag der weniger Privilegierten in Istanbul einzulassen, mit Respekt. Dass Pamuk seine Figuren nicht zu "kleinen Leuten" stilisiert, gefällt ihr gut, auch wenn der Autor dadurch seiner Erzählung so manche Schärfe nimmt, wie sie meint. Den "Verfall" Istanbuls und seiner moralischen Werte vermag ihr der Autor ohnehin plastisch darzustellen. Und dann bietet der Roman laut Schader ja auch noch eine beinahe Jean Paulsche Liebesgeschichte beziehungsweise Verwechslungsaffäre um eine "schwarzäugige Schöne".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.01.2016

Etwas zu heiter und milde erscheint Rezensent Christoph Bartmann der neue Roman von Orhan Pamuk, melodramatisch auch in der Klage um das alte Istanbul, ein Steckenpferd des Autors. Dass der Autor wie immer kaleidoskopisch vielstimmig erzählt, täuscht Bartmann nicht darüber hinweg, dass mit dem Stromableser-Schelm Mevlut vor allem der Gesichtskreis einer Figur zählt und die vordergründige Buntheit letztlich etwas eintönig färbt. Darüber hinaus merkt Bartmann, dass der Erzähler seine Figuren an allzu kurzer Leine hält und eigentlich mehr erzählen möchte, als ihre Sicht hergibt. Am besten gefällt der Roman Bartmann, wenn Parmuk übers illegale Bauen und den Verfall "seiner" Stadt schreibt, auch wenn der Rezensent dafür ein wenig hinter den eigentlichen Gehalt des Buches schauen muss.
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