Nedim Gürsel

Turbane in Venedig

Roman
Cover: Turbane in Venedig
Ammann Verlag, Zürich 2002
ISBN 9783250600343
Gebunden, 411 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Monika Carbe. Venedig und Istanbul - zwei Städte von Wasser umgeben und von magischer Anziehungskraft für den türkischen Kunstprofessor Kamil Uzman. Zu Forschungszwecken hält er sich in den Bibliotheken und Museen Venedigs auf. Tagsüber untersucht er die Darstellung der Osmanen auf den Bildern des Abendlands: Canaletto, Carpaccio - vor allem Gentile Bellini, Sproß einer berühmten Künstlerfamilie, haben es ihm angetan. An Lucia, jener nach Lavendel duftenden Bibliotheksangestellten, die direkt einem Gemälde entsprungen zu sein scheint, entzündet sich Kamil Uzmans Leidenschaft. Sie treibt ihn um auf seinen nächtlichen Irrgängen durch die verregnete Stadt am Meer und wird auf unvermutete Weise sein Schicksal sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2002

Dem "geduldigen und neugierigen" Leser empfiehlt Rezensentin Clara Branco den erstmals in deutscher Sprache erschienenen Roman "Turbane in Venedig" von Nedim Gürsel. Der türkische Schriftsteller hatte bereits mit seinem Romanerstling "Der Eroberer" eine Menge Lob geerntet und setzt nun, so darf vermutet werden, mit einer außergewöhnlichen Reise in die Welt der Bilder und kulturellen Fremdheiten seinen schriftstellerischen Erfolg fort. Held ist diesmal der 46-jährige einsame Kunsthistoriker Kamil, der auf der Suche nach italienischen Gemälden durch Europa reist und in dem für ihn bald schicksalsträchtigen Venedig Station macht. Kritikerin Branco goutiert an dem postmodernen Roman nicht nur die von Nachsinnen und Melancholie getragene Geschichte. Eine wahre Bilderflut biete sich dem Leser, als wären alle erzählerischen Motive geradezu "einem Gemälde entsprungen". Die "massive Symbolik" und "ambitionierte Intertextualität", die die Romanstrukturen immer wieder durchwirken, forderten dem Leser jedoch eine "ungewöhnliche Ausdauer" ab. Die Autorin öffne jedoch neue Blickwinkel für den Dialog zwischen Türkei und Europa, so dass sich diese Anstrengung in jedem Fall lohnt, so Branco.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2002

Der neue Roman des Pariser Wissenschaftlers und Schriftstellers Nedim Gürsel über einen türkischen Professor der Kunstgeschichte, der sich für einen Monat nach Venedig begibt, um dort über den venezianischen Maler Jacobo Bellini und dessen Söhne Gentile und Giovannni zu forschen, vermag Renate Wiggershaus nicht zu begeistern. Zu oft hat der Autor den roten Faden der Handlung verloren, zu viele literarische Zitate und Analogien mutet er dem Leser zu, mäkelt die Rezensentin. Besonders ärgerlich findet sie, dass Gürsel historische Fakten äußerst "schludrig" in seine Fiktion montiert habe, etwa, in dem er Albrecht Dürer zum nachlässigen Familienvater stilisiere, obwohl dieser in der Realität keine Kinder hatte. Außerdem hat die Rezensentin viele Sätze von "unfreiwilliger Komik" gefunden, Sätze, für die sie die Übersetzerin nun wirklich nicht verantwortlich machen möchte. Und schließlich hat sie "die Überfrachtung des gesamten Textes mit allen möglichen Einfällen und Angelesenem" gehörig genervt. Schade, bedauert Wiggershaus, dieser Roman hätte "spannend" sein können, wenn Gürsel es verstanden hätte, Geschichte, Kunst und Literatur "lebendig" miteinander in Beziehung zu setzen.