Klappentext

Wer die politische Debatte liebt, darf Talkshows hassen! Die Gesellschaft ist politisiert wie lange nicht, der Diskussionsbedarf ist hoch. Doch in den politischen Talkshows ist davon nichts zu spüren: Ohne Vorwärtskommen reden dieselben Personen immer wieder über dieselben Themen. Warum ist ein einst demokratisierendes Fernsehformat zur populistischen Redemaschinerie verkommen und was sagt das über unsere Gesprächskultur aus? Die politische Debattenkultur ist in einer Sackgasse gefangen. Die Talkshow ist das anschaulichste Beispiel einer fehlerhaften Entwicklung, die sich sowohl im Alltag als auch im medialen Diskurs durchsetzt. Die Talkshowmaster behaupten, sowohl zu informieren als auch zu unterhalten, drehen sich jedoch in einer endlosen Dauerschleife um die gleichen Protagonisten und Thematiken. Statt gewinnbringend zu diskutieren, wird Politik so als zynische Aneinanderreihung von Kurzbotschaften inszeniert. Mittlerweile läuft der politische Betrieb selbst Gefahr, seinen Rhythmus den Programmplänen der großen Talkshows anzupassen. Die drängenden Fragen unserer Zeit stehen dabei nur selten auf dem Programmplan. Stattdessen wird ein lustloses und überraschungsarmes Bild von Politik vermittelt, von dem wir uns am liebsten abwenden wollen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2019

Oliver Jungen zeigt sich enttäuscht von Oliver Webers Polemik gegen das Talkshow-Format. Dass der Autor darauf verzichtet, medien- und diskursanalytische Ansätze zu verfolgen und mit dem Hinweis auf echte Mediendebatten in der jungen BRD lediglich ein wohlfeiles "Verfallsnarrativ" schreibt, lässt Jungen nach Erkenntnis lechzen. Weber bietet ihm aber allenfalls die Einsicht, dass sich die Medien ihrer politischen Rolle kaum bewusst zu sein scheinen und Parteien wie die AfD die Talkshow gnadenlos instrumentalisieren. Webers Hoffnung auf neue Konzepte findet Jungen zudem viel zu dünn.
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