Olga Tokarczuk

Spiel auf vielen Trommeln

Erzählungen
Cover: Spiel auf vielen Trommeln
Matthes und Seitz, Berlin 2006
ISBN 9783882211078
Gebunden, 136 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Mit einem Nachwort von Katharina Döbler. Wie verhalten sich Menschen, wenn Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden, wenn Gewohnheiten verloren gehen? Den Menschen in den hier versammelten Erzählungen passiert genau das: sie sehen sich völlig neuen Situationen ausgeliefert, die sie zwingen, sich neu definieren und sich Fragen nach den Bedingungen von Existenz und Individualität zu stellen. Einigen gelingt es, sich neu zu definieren, andere drohen abzugleiten und sich zu verlieren. Da ist der Schriftsteller Samborski, der sich plötzlich seinem Alter Ego gegenüber sieht, einem Phantom, das fortan nicht mehr von seiner Seite weicht, das an seinem Schreibtisch sitzt, seinen Papieren Notizen hinzufügt und im Kaffeehaus mit jungen Menschen über seine Literatur diskutiert, während S. selbst mehr und mehr zu verschwinden scheint.Oder die Ich-Erzählerin der Titelgeschichte, die vorübergehend in einer fremden Großstadt lebt. Dort bricht sie aus der Eintönigkeit ihres Alltags aus, schließt sich den Bewohnern einer Wagenburg an und gerät zunehmend in einen Prozess der Selbstentfremdung, der sie wechselnde Identitäten annehmen lässt: Als Girlie in schweren Boots treibt sie sich in Discos rum und liest Artikel über Britney Spears, als Türkin sitzt sie mit der Großfamilie im stickigen Wohnzimmer, als Geschäftsmann steigt sie in Hotels ab und hinterläßt im Waschbecken Spuren von Rasierschaum.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2006

Die Rezensentin Ilma Rakusa kommt bei ihrer Besprechung der Erzählbands "Spiel auf vielen Trommeln" von Olga Tokarczuk zu einem gemischten Fazit. Einerseits fasziniert ihr das Spiel mit Identitäten, an dem sich die polnische Autorin versucht. Andererseits findet sie, dass ihr Umgang mit der Idee, dass alles in der Welt und auch im Zwischenmenschlichen Ähnlichkeiten aufweist und sich irgendwie miteinander verknüpfen lässt, im Detail dann doch zu unpräzise ist: Auf grundsätzlicher Ebene funktioniere das ja noch ganz gut, im Einzelfall dann aber deutlich schlechter. Trotzdem ist diese Formel nach Meinung der Rezensentin ein Grund für den großen Erfolg Tokarczuks in ihrer Heimat. Dass sie dabei oft den Realismus verlässt und damit auf subtile, elegante Weise gegen kalkulierbare Lebensentwürfe argumentiert, macht die Lektüre in Rakusas Augen trotz aller möglichen Einwände interessant.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…