Raymond Federman

Mein Körper in neun Teilen

Cover: Mein Körper in neun Teilen
Matthes und Seitz, Berlin 2008
ISBN 9783882217063
Gebunden, 125 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Peter Torberg. Raymond Federman erzählt von seiner Kindheit in Frankreich, seinem Leben als Erwachsener in den USA, seiner jüdischen Herkunft, seiner Karriere als Schriftsteller und unterscheidet in den leicht und humorvoll erzählten Geschichten nicht zwischen Wahrheit und Lüge, Erfundenem und Erinnerung. Die Körperteile dienen Federman als Ausgangspunkte für Überlegungen, die ihn von vier verlorenen Haaren zu den 68er Unruhen in Paris führen, vom Läuse-Zerdrücken zu den Haartrachten der vom jüdischen Flüchtling beneideten jungen Männer im Amerika der 40er Jahre. Oder von der Betrachtung des dritten Zehs, dem "Gelehrten", der ihn über die Gemeinsamkeiten von Freud und Hitler aufklärt...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.06.2008

Ganz so verspielt wie sie erscheint, ist diese Prosa nicht, warnt Michael Schmitt. Was dem deutschen Leser hier als eine Art Sammelband zur Verfügung gestellt wird, ist laut Schmitt nicht weniger als das "Stenogramm eines Lebens". Nicht gerade für Einsteiger allerdings, wie er auch zu verstehen gibt. Denn aller Amüsiertheit zum Trotz ist der Rezensent, sind seine Kenntnisse zu Raymond Federman hier gefordert. Zu fragmentarisch kommt das daher. Doch spätestens gegen Ende des Bandes, da sich alles rundet, weiß Schmitt, was sich hinter der Beckett'schen Ironie des Autors und seinem Hang zur Selbstbeobachtung verbirgt und sich hier erneut äußert: Die Frage nach den Bedingungen des Überlebens, im Holocaust und dann immer wieder.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2008

Oliver Jungen konstatiert nicht nur angesichts Raymond Federmans "Mein Körper in neun Teilen", das 2005 im amerikanischen Original erschien und nun pünktlich zum 80. Geburtstag des Autors auch auf Deutsch vorliegt, eine Rückkehr des Körpers in die Literatur. Der jüdisch-französische Autor, der als einziger seiner Familie der Gestapo entging und mit 21 Jahren nach Amerika auswanderte, nimmt darin neun - eigentlich zehn, wie Jungen akribisch nachrechnet, die Ohren zählt Federman aber mit Absicht nicht mit - seiner Körperteile unter die Lupe und stellt anhand der Narben die Lebensspuren fest. Zugleich nimmt er sich die fiktionale Freiheit, diesen Körper nicht altern zu lassen, erklärt uns der Rezensent. Jungen ist vom Charme, der Altersweisheit und der Leichtigkeit dieses, wie alle Werke Federmans, autobiografischen Buches hingerissen und feiert es als auf eine durchgehende Handlung souverän verzichtende Liebeserklärung an die "in der Unmöglichkeit gründende Möglichkeit des Lebens".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2008

Für Federman-Anfänger, soviel ist nach Frank Schäfers Rezension von Raymond Federmans jüngstem Text "Mein Körper in neun Teilen" klar, eignen sich frühere Bücher des Autors besser. So sieht sich der Rezensent bemüßigt, selbst einen Crashkurs in Federmanphilologie darzubieten. Denn von allein, so gibt er zu bedenken, erschließt sich in diesem Werk wenig. Schäfer erläutert die Federman'schen Kernkonzepte der "Surfiction" und der "Lachteratur" und verweist auf die Zentralität der Shoa, der Federman selbst nur knapp entronnen ist, für sein postmodernes Schreiben. In seinem jüngsten, autobiografischen Text thematisiert Federman Teile seines Körpers und hebt hervor, wie sich die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts in sie eingeschrieben hat: Er lässt seine Nase, seine Geschlechtsteile, seine Haare sprechen. Wer das notwendige poetologische Vorwissen nicht mitbringt, warnt Schäfer, dem wird Federmans oft abschweifende und nicht-lineare, witzige und bisweilen alberne Prosa womöglich ein wenig seicht vorkommen. Und letztlich vermisst Schäfer in diesem Band auch ein wenig die Erzählfreude, die Federmans vorige Werke ausgezeichnet hatte.