Carl-Henning Wijkmark

Nahende Nacht

Roman
Cover: Nahende Nacht
Matthes und Seitz, Berlin 2009
ISBN 9783882216493
Gebunden, 160 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Ein gescheiterter "Theatermann", einst eine Legende, sieht sich mit einer tödlichen Krankheit konfrontiert. Die Zeit, die ihm bleibt, widmet er dem "Versuch, dem großen Widersacher in die Karten zu schauen, den Kampf auf diese Weise ausgeglichener zu machen und die Niederlage erträglicher". Flüchtigste Blicke und leiseste Gesten erhalten plötzlich Bedeutung, das Leben behält bis in die letzten Momente Intensität und Kraft und holt seine Spannung aus den kleinsten Nuancen der noch möglichen Wahrnehmung. Zwischen unbändigem Lebenswillen und Lust an der Selbstaufgabe schwankend, reflektiert der Ich-Erzähler über sein Leben und erkennt, dass selbst aus der Perspektive des Todes die Lebenslügen ihre Macht behalten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2010

Eine Erzählung übers Sterben, wie sie Anja Hirsch sich gefallen lässt, sofern man von Gefallen reden möchte angesichts des von Carl-Henning Wijmark hier angeschlagenen Themas. Hirsch jedenfalls hat die Erzählerfigur ins Herz geschlossen und muss sie am Ende doch gehen lassen. Zuvor aber berichtet dieser Hasse in aller Offenheit von seinem langsamen Verlöschen, von Höhe- wie Tiefpunkten, vom Körperlichen, von Träumen und den Schwestern in der Klinik. Hirsch erscheint das höchst komplex und dem Thema gemäß. Und bleibt ihr auch manchmal die Luft weg (angesichts nüchterner Reflexion über das Unerhörte), so besänftigt sie doch immer die Nähe des Autors zu seiner Figur: Dieser immerhin lässt sie nicht fallen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2009

Rezensent Florian Kessler steht Carl-Henning Wijkmarks Roman über das Sterben eines ehemaligen Schauspielers mit Staunen und auch Befremden gegenüber. Der schwedische Autor lässt in einem großen Monolog den Sterbenden seinen Verfall und ebenso seine Umgebung aus Ärzten, Schwestern und Angehörigen aufzeichnen und das "Zwischenreich" zwischen Lebensgeschichte und nahendem Tod ausloten, erklärt der Rezensent. Leidenschaftliche Verurteilung der Sterbehilfe wie überhaupt des "verwalteten Sterbens" der Gegenwart schreibt Kessler dabei sowohl dem Autor wie dem Helden zu. Das eigentliche Zentrum des Romans aber sei der Versuch, dem Tod "in die Karten zu schauen", indem der Sterbeprozess minutiös beobachtet und reflektiert wird. Worüber sich Kesser nur wundert: dass dies derart "weihevoll" und unter pietätvoller Ignorierung der "körperlichen Realitäten" passiert.
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