Oleg Jurjew

Die russische Fracht

Roman
Cover: Die russische Fracht
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518420768
Gebunden, 220 Seiten, 22,80 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Elke Erb und Olga Martynova. Vor Kriminellen, die ihm nach dem Leben trachten, flieht Weniamin Jasytschnik im Petersburger Hafen auf ein ukrainisches Frachtschiff. Ein Gespensterschiff, wie sich herausstellt, das u. a. Weniamins buntgescheckte Vergangenheit in Gestalt äußerst lebendiger Leichen an Bord hat. Mit von der Partie: ein singender Kapitän und sein Vielvölkerteam, dazu: ein estnischer Grenzer, eine in Polen verlorene russische Priesterbraut und ein deutscher Spion, der durch einen Oligarchen zu Reichtum gekommen ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2010

Puh, anstrengend, stöhnt Wolfgang Schneider nach dieser Lektüre. Die russische Realität mag zerfallen, schwer zu fassen sein, aber muss er darum auch noch verzettelte Romane darüber lesen? Ein bisschen zu weit, scheint es, treibt Oleg Jurjew, den Schneider als hochintelligenten, einen raffinierten Stil schreibenden Autor kennt, sein Spiegelspiel aus Zitaten, Anspielungen (vornehmlich für russische Leser) und verrückten Einfällen. Vor lauter ironischen Brechungen, ein- und wieder ausgeblendeten Realitäten kann Schneider bald nicht mehr folgen. Verwirrend genug. Doch schlimmer erscheint dem Rezensenten der Umstand, dass der Autor seiner eigenen Fantastik nicht zu trauen scheint. Ein poetologischer Unernst, der es Schneider unmöglich macht, sich wirklich auf das Buch einzulassen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.12.2009

Umstandslos reiht sich Oleg Jurjew mit seinem Roman "Die russische Fracht" in die moderne russische Literatur, die laut Tobias Schwartz heute, wenn sie etwas auf sich hält,  fantastische Literatur ist. Irgendwo zwischen dem "Fliegenden Holländer", dem trunkenen und dem Narrenschiff verortet der Rezensent diese Geschichte um den Ich-Erzähler Wenka, der in seiner Dissertation eigentlich beweisen wollte, dass Petersburg aus dem sagenumwobenen Vineta hervorgegangen ist, bis ihn eine Bande übelwollender Krimineller zur Flucht auf dem ukrainischen Frachter Antenov zwingt. Zunehmend skurriler wird die Handlung nun, nicht immer konnte der Rezensent unterscheiden, was tatsächlich passiert und was halluziniert wird. Schwartz versichert aber, dass er zwar hin und wieder die Orientierung, aber selten das Vergnügen verloren hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.08.2009

Was genau sie da gelesen hat, und mit Lust, vermag Nicole Henneberg nicht zu sagen. Möglich, so Henneberg, dass es sich bei Oleg Jurjews Roman um eine Mixtur aus Agententhriller, Seeabenteuer und einer Liebeserklärung an St. Petersburg handelt, wo der Roman spielt. Das Buch hat ein Happy End, so viel weiß Henneberg sicher. Und dass es sich lesen lässt als poetische, ironische, höchst bizarre Antwort auf Sorokins "Tag des Opritschniks", in der die Fantasie eines veritablen Träumers auf die ungeschönte russische Gegenwart trifft. Vonseiten des Autors wird mit Action, Satire und literarischen Anspielungen und poetischen Bildern auf die Tristesse geschossen, dass die Rezensentin ganz hoffnungsfroh wird und St. Petersburg zum versunkenen Paradies Vineta.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.07.2009

Ein "vor Fantasie sprühendes, freches, sprachmächtiges Buch" zeigt Rezensentin Ilma Rakusa mit diesem Buch über die abenteuerliche Reise eines Vineta-Forschers von Hamburg nach St. Petersburg an. Selbst die Beschreibung einer Männerunterhose sei diesem Autor ein "Sprachfeuerwerk" wert. Es geht, wie sie schreibt, um den jungen Wenja Jasytschnick, der von Deutschland nach Petersburg reise, weil sein Stiefvater ermordet wurde und sich Kriminelle seine Firma aneigneten. Das Schiff, auf dem er reise, sei "ein einziger Spuk" und dessen Kapitän ein Verwandter von Melvilles Ahab. In Kühlräumen lagerten Tote, darunter auch der ermordete Stiefvater. Insgesamt sei es schwer, Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Zumal auch die Obsession des Protagonisten für das versunkene Vineta im Roman Funken schlägt, wie uns die Rezensentin sehr glaubhaft vermittelt, die auch Elke Erbs Übersetzung hoch lobt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.06.2009

Jörg Plath lässt sich von dem gegenüber früheren Publikationen von Oleg Jurjew geradezu "schlichten" Auftreten seines jüngsten Romans nicht täuschen und genießt ihn in vollen Zügen als rasante Kreuzung zwischen "U-Kultur" und den Mythen des Ostseeraums. Der Rezensent gibt sich redlich Mühe, die höchst verwickelte Handlung um die Reise eines Kühlschiffs von St. Petersburg nach Kiel, das erstaunlich lebendige Leichen transportiert, zusammenzufassen. Soviel wird klar, es ist eine abstruse "Buchstaben- und Schlagersee", die der russische Autor mit seinem Schiff befährt, bei der auch die Doktorarbeit über St. Petersburg und das untergegangene Vineta als "chronotopische Spiegelung" der Hauptfigur Weniamin eine prominente Rolle spielt. Über weite Strecken gibt sich Plath mit Vergnügen der verwirrenden Handlung hin, die ihm nur in Ausnahmefällen zu abstrus wird, und er hat das Ganze nicht zuletzt als einen "Abschied" des seit 1991 in Frankfurt am Main lebenden Autors von seiner Heimatstadt St. Petersburg und seinen Toten gelesen.
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