Aus dem Russischen von Ingolf Hoppmann, Olga Kouvchinnikova, Annelore Nitschke und Olga Radetzkaja. Hundert Jahre nach den Revolutionen des Jahres 1917 lässt Julia Kissina Autoren zu Wort kommen, die zum antirealistischen Unterstrom der russischen Literatur seit den 60er Jahren gehören. Ihre Lehrer sind Gogol und Charms; die heutigen Vertreter, wie Julia Kissina selbst, häufig Doppelbegabungen: Maler, Bildhauer, Philosophen. Wie alltägliche, scheinbar langweilige Ereignisse sich in etwas Rätselhaftes verwandeln, die Normalität aufgekündigt wird, Traum und Wahn überhand nehmen - Literatur als Wunder der Wahrnehmung ist der gemeinsame Nenner der Prosastücke.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.11.2017
Wenn Julia Kissina in "Revolution Noir" die Autoren der russischen neuen Welle zusammenführt, beschreibt sie damit vielleicht nicht eine literarische Strömung, sondern schafft sie erst, meint Rezensentin Sonja Zekri. Die Herausgeberin beschreibe die Autoren in ihrer Anthologie als Vertreter der dritten Avantgarde, die Russland nach dem Fall der Sowjetunion erleben und beschreiben und dabei doch immer im Bezug zur Vergangenheit ihres Landes stehen: von alten Frauen, die gerne sterben wollen, aber auf ihren Sarg warten müssen oder Flugzeugen, die Menschen auffressen, handeln die Geschichten etwa, erzählt die Rezensentin. So ist das verbindende Element der Sammlung schlussendlich vielleicht nur die stilistische und inhaltliche Vielfalt, überlegt Zekri.
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