Olaf B. Rader

Friedrich II.

Der Sizilianer auf dem Kaiserthron. Eine Biografie
Cover: Friedrich II.
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406604850
Gebunden, 592 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Wie kein zweiter Herrscher hat Friedrich II. (1196-1250) die Gemüter erhitzt. Noch im 20. Jahrhundert wurde er zum genialen Staatsmann, Vorläufer der Moderne und deutschen Idealherrscher stilisiert. Olaf B. Rader porträtiert Friedrich vor allem als Sizilianer und zeichnet so ein neues Bild des Kaisers, der uns bis heute auch als Wissenschaftler, Bauherr und Dichter beeindruckt. In Italien geboren und aufgewachsen, verbrachte Friedrich, das "Kind aus Apulien", auch nach seiner Kaiserkrönung die meiste Zeit im Mittelmeerraum. Hier lag der Schwerpunkt seiner Herrschaftsinteressen, hier führte er endlose Kämpfe zu Land und zur See. Seine Schriften über die Falkenjagd, seine Gespräche mit Gelehrten und sein Dichterkreis zeugen von einem für das Mittelalter ganz außergewöhnlichen Interesse an Kunst und Wissenschaft. Schon zu Lebzeiten galt Friedrich als "Staunen der Welt". Bis in die neueste Zeit wurde er von Legenden umrankt und politisch vereinnahmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.12.2010

Rezensent Christian Thomas schätzt diese Biografie Friedrichs II., die Olaf B. Rader vorgelegt hat. Dem Autor gelingt es seines Erachtens überzeugend, ein einseitiges Bild des letzten Stauferkaisers zu vermeiden, um diesen stattdessen in seiner Ambivalenz zu zeigen, als gebildeten Freund und Förderer von Kunst und Wissenschaften wie auch als jähzornigen Tyrannen. Deutlich wird für ihn, dass der Kaiser schon zu seinen Lebzeiten unterschiedlich wahrgenommen wurde, eine Tendenz, die sich im Lauf der Jahrhunderte in der Geschichtsschreibung verstärkt hat: war er den einen ein Heiland, sahen die anderen in ihm den Antichristen. Thomas bescheinigt Rader, die Erfolge Friedrichs etwa als Vermittler der Religionen und Kulturen aufzuzeigen, ohne seine tyrannischen Seiten, seinen Zwangsstaat, seine permanente Mobilisierung militärischer Kräfte zu verschweigen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.12.2010

In sehr lobenden Worten schreibt der Historiker Johannes Fried über diese Arbeit seines Kollegen Olaf B. Rader, die sich der Biografie des verehrten und verabscheuten Stauferkaisers Friedrich II. Annimmt. Dabei stellt Rezensent Fried klar, dass Rader Friedrich II. eben weniger als Staufer denn als Sizilianer erklärt. Mit dem hohen Norden und seiner deutscher Familie konnte Friedrich II. demnach wenig anfangen, der daraus resultierende "Griff nach Italien" brachte ihm die Feindschaft der Päpste ein. Rader erzähle das Herrscherleben nicht von der Geburt bis zu Tod, freut sich Fried, auch wenn er alle wichtigen Stationen und erhellenden Anekdoten in dem Buch gefunden hat, doch mehr noch interessieren ihn Hintergründe und Deutungen zu Friedrichs Macht, Religions- und Wissenschaftspolitik, die Fried ebenso "gelehrt wie elegant" findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.09.2010

Christian Jostmann kann Olaf B. Raders Biografie des Stauferkaisers Friedrich II. gar nicht genug loben. Galt ihm bislang die zweibändige wissenschaftliche Lebensbeschreibung von Wolfgang Stürner als erschöpfendes Werk über den römisch-deutschen Kaiser, so lässt er sich mit dem vorliegenden Buch gern eines besseren belehren. Denn der Autor vermag dem 1194 geborenen und 1250 gestorbenen mit vielen Legenden umwogten Kaiser viele neue Facetten zu geben und ihn überdies überaus plastisch vor Augen zu stellen, wie er schwärmt. Rader schöpft sowohl ausgiebig aus historischen Quellen, wie er sich auch mit der modernen Forschungsliteratur auseinandersetzt, ohne neuerlichen "Mystifizierungen" auf den Leim zu gehen, betont der Rezensent. "Genüsslich" rekapituliere er die Legenden, mit denen bereits die Geburt des Kaisers belegt wurde. Dabei findet es Jostmann besonders lobenswert, dass der Autor nicht nach dem Wahrheitsgehalt fragt, sondern vielmehr danach, was diese Geschichten über den historischen Kontext aussagen. Angenehm findet der Rezensent zudem, dass Rader mit einer gewissen Berliner Schnoddrigkeit dem Pathos der historischen Erinnerung etwas entgegensetzt. Friedrich II erscheint hier nicht in völlig neuem Licht, gewinnt aber an Plastizität und Lebendigkeit, freut sich Jostmann.
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