Im Kaiserreich gegründet war die Frankfurter Universität die einzige auf deutschem Boden, die bürgerlichem Mäzenatentum ihre Existenz verdankte: Reiche Frankfurter - vielfach aus jüdischen Familien - trugen dazu bei, dass die einzige deutsche Stiftungsuniversität 1914 ins Leben treten konnte. Drei Epochen der deutschen Zeitgeschichte behandelt Notker Hammerstein im ersten Band seiner Geschichte der Frankfurter Universität: von der frühen Blütezeit in der Weimarer Republik über die tiefe Krise in der Zeit des Nationalsozialismus bis zu Wiederaufbauversuchen nach 1945. Im zweiten Band seiner Universitätsgeschichte zeichnet Hammerstein den Weg vom Wiederaufbau der zerstörten Goethe-Universität zu geordneten Verhältnissen in den fünfziger und sechziger Jahren bis hin zu den "erregten Jahren" der Studentenbewegung "um und nach 1968". Dabei gilt sein Interesse in erster Linie den Professoren, die den Geist, das wissenschaftliche Niveau und den Charakter der Universität prägten. Daneben stellt Hammerstein wichtige Entwicklungslinien der Universitätspolitik sowohl des Landes Hessen als auch der Stadt Frankfurt vor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2015
Wie die Frankfurter Hochschule von einer bürgerlichen Institution zur staatlichen Massenuni wurde, kann Hans-Albrecht Koch bei Notker Hammerstein nachlesen. Dessen Jubiläumsband nennt er einen großen Wurf und eine der detailliertesten Universitätsgeschichten, auch wenn der Rezensent den ein oder anderen verdienstvollen akademischen Leiter allzu knapp behandelt findet. Neu aus den Archiven erarbeitet, die rechtlichen Grundlagen und die Organisation erörternd, bietet das Buch Koch auch kritische Einblicke in wenig ruhmreiche Momente der Universitätsgeschichte, etwa während der Nazizeit, oder betreffend Adornos Berufungspolitik.
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