Hajo Schumacher

Roland Koch

Verehrt und verachtet
Cover: Roland Koch
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783596161539
Taschenbuch, 352 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Der Autor hat viel Unbekanntes über Leben, Überzeugungen und politische Aktivitäten des Hessischen Ministerpräsidenten zutage gefördert, der wie kein anderer umstritten ist: Seine Fans halten ihn für das größte politische Talent des deutschen Konservativismus, seine Gegner für einen ungewöhnlich durchtriebenen Karrieristen. Seit Jahren gilt er als Kanzlerkandidat in Wartestellung, der sofort die Chance ergreifen würde, wenn seine innerparteilichen Konkurrenten entscheidende Fehler machen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.03.2005

Offenbar recht gelungen findet Dieter Rulff diese Biografie Roland Kochs: Akribisch spüre Hajo Schumacher Kochs politischen Aufstieg von der Jungen Union in die hessische Staatskanzlei nach, male ein "detailgetreues" Bild von der Hinterzimmerpolitik und den Rankünen des Parteilebens und schreibe dabei auch noch in einem recht flotten Stil. Allerdings stellt der Rezensent fest, dass Schumacher keinen Zugang zum Privatmann Koch gefunden hat, es bleibt bei der Annäherung. Nicht immer ist auszumachen, ob Rulffs Bild des Politikers der Biografie entspringt oder seinen eigenen Beobachtungen, etwa wenn er Koch als den "typischen Repräsentanten der in den 70er Jahren gegründeten Schüler Union" bezeichnet, die sich gegen den moralisierenden Mainstream mit dem Drachenblut persönlicher Arroganz und machiavellistischer Methodik feite". Aber abgesehehn von einigen Schludrigkeiten hat der Rezesent nichts an dem Buch auszusetzen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.01.2005

Warnfried Dettling macht Hajo Schumacher ein Kompliment mit doppeltem Boden: "Welcher Autor schafft es schon, dass sich jüngere Leser freiwillig 333 Seiten über Koch, Merkel und die (hessische) CDU antun?" Der Unterhaltungswert des Buches liege dabei zu einem großen Teil an seiner Oberflächlichkeit. Diese aber spiegele wiederum die aktuelle Politik wider, die nur zu einer anderen Form des Entertainments herabgesunken sei, ohne Richtlinien oder Überzeugungen. Und so sei dieses Buch ebenso "windschnittig" wie sein Subjekt. Weder bei Merkel noch bei Koch werden auch nur Grundzüge eines politischen Profils deutlich, was aber vielleicht an den Politikern selbst liegt. So fasst der Rezensent den Band als ein eher unfreiwilliges "Dokument der Zeit" auf, das sich besonders in den ersten Kapiteln wie eine "brillant formulierte Werbebroschüre" für Roland Koch liest. Es endet folgerichtig ohne eine klare Richtungsangabe, bleibt bei "lässiger Oberfächensoziologie" und "ohne jede kritische Reflexion". Bei dem Material aber will der Rezensent dies nicht dem Autor ankreiden. "Im Gegenteil: Es ist die große Stärke des Buches, eine gelegentlich sogar spannende Unterhaltung zu bieten."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.12.2004

Detlef Esslinger stellt zunächst fest, dass der hessische Ministerpräsident Roland Koch erstaunlich gut wegkommt in dieser Biografie des früheren Spiegel-Redakteur Hajo Schumacher, der Koch vor allem als Beispiel für einen Menschen darstellt, der hartnäckig auf ein Lebensziel hinarbeitet, nämlich auf das Kanzleramt. Der Rezensent hat in der Biografie "hinreißende Anekdoten" aus der Kindheit des Politikers gelesen, wenn er sich auch nicht sicher ist, dass diese ihm Koch sympathischer machen, wird er darin doch als äußerst pragmatischer Mensch geschildert. Auch den "Schluss", den sich der Autor für sein Buch hat "einfallen lassen", indem er 10 Gründe für und 10 Gründe gegen Koch als möglichen zukünftigen Kanzler aufführt, hat dem Rezensenten gut gefallen und er meint vergnügt, dass die den "gemeinen Koch-Hasser" bestimmt in "Verwirrung stürzen" werden.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.12.2004

Typisch für Hajo Schumachers Buch über den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch sei seine Unentschiedenheit, befindet Rezensent Lukas Wallraff. So stelle der Verfasser am Anfang fest, man könne Koch nur verehren oder verachten, um dann auf gut dreihundert Seiten das Gegenteil zu beweisen. Schließlich bleibe Schumacher bis zum Ende ambivalent. Zwar kläre er "schonungslos" über die Schwächen des politischen Überfliegers aus Hessen auf, der mit 19 Jahren bereits im Stadtrat, mit 29 im Landtag und mit 40 Ministerpräsident war. Andererseits lege er nahe, dass Koch so durch und durch grauenvoll und böse, wie seine Feinde denken, gar nicht sei: "Je näher man ihm kommt, desto sympathischer wird er", zitiert Wallraff den Verfasser und merkt an, dass Schumacher Koch wohl sehr nah gekommen sei. Darin sieht er den Vorteil, dass Schumacher "spannende, brillant geschriebene Geschichten" liefern könne. Problematisch findet Wallraff diese Nähe aber spätestens dann, wenn der Autor bei der Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft und der hessischen CDU-Spendenaffäre keine echte Wertung abgibt, um stattdessen entlastende Begleitumstände zu schilderen. "Koch kann froh sein, dass Schumacher sein erster Biograf ist", resümiert der Rezensent. "Er mutet ihm nicht wirklich viel zu."
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