Die Kommunikation zwischen Deutschen und türkischen Migranten der zweiten und dritten Generation ist kaum noch von Sprachproblemen, dafür aber um so mehr von offenen und verdeckten interkulturellen Missverständnissen geprägt. Das bedeutet: die Handlungskoordinierung von Deutschen und türkischen Migranten erfolgt vor dem Hintergrund zum Teil erheblich divergierender kulturspezifischer Deutungsmuster, so dass sich Missverständnisse und sich daraus ergebende Konflikte kaum vermeiden lassen. Bedeutsam werden solche Missverständnisse im juristischen Kontext und hier vor allem in polizeilichen Ermittlungsverfahren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2003
Obwohl diese Habilitationsschrift es dem Leser mit ihrem "Ballast an Fachjargon, Systematik und methodischem Unterbau" nicht leicht mache, sollte sie, meint Ulla Fölsing, dennoch "nicht ungelesen bei den Universitätsbibliotheken in der Versenkung verschwinden". Nicht nur die im engeren Sinne Angesprochenen nämlich, sondern auch der "multikulturelle Alltag" im allgemeinen könne von Schröers Ergebnissen profitieren, glaubt die Rezensentin. Unter Mithilfe von türkischen Gutachtern, die mit dem Migrantenmilieu vertraut sind, hat Schröer, so erfährt der Leser, für dieses Buch gut hundert Tonband- und Beobachtungsprotokolle von Verhören türkischer Verdächtiger durch deutsche Ermittlungsbeamte sowie detaillierte Mitschriften von Einsatzfahrten, Wohnungsdurchsuchungen und Dienstbesprechungen ausgewertet, die er während einer dreimonatigen Begleitung der Arbeit eines Rauschgiftdezernats in Nordrhein-Westfalen erstellt hat. Anhand von zwei verdichteten Beispielfällen werden im Buch dann die zentralen Kommunikationsprobleme dargestellt, die dafür sorgen, dass - so das Ausgangsproblem der Arbeit - die Vernehmungen türkischer Verdächtiger überdurchschnittlich häufig ergebnislos verlaufen. Vor allem, berichtet die Rezensentin, werde so klar, welche "Umgangsformen" und welche "Behandlung" die türkischen Verdächtigen aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds als besonders geringschätzig und degradierend empfinden.
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