Norbert Scheuer

Peehs Liebe

Roman
Cover: Peehs Liebe
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406639494
Gebunden, 222 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Rosarius Delamot weiß nicht, wer sein leiblicher Vater ist, vielleicht ein Archäologe, der das Straßennetz des antiken Römischen Reiches kartographiert hat und in Nordafrika verschollen blieb. Rosarius hat nur seine Mutter Kathy, er ist in seiner Jugend kleinwüchsig und spricht die ersten dreiundzwanzig Jahre seines Lebens kein Wort. Aber er sieht die Dinge anders als gewöhnliche Menschen, sein Gehirn scheint ein unendlicher Speicher von kleinsten Wahrnehmungen und Erinnerungen zu sein. Als Kind hat er sich in Petra verliebt, die er nur "Peeh" nennen kann. Später, als normalgroßer Erwachsener, der Sprechen gelernt hat, wird eine Liebesgeschichte daraus. In seinen Träumen und in der Wirklichkeit lebt Rosarius sein eigenes Leben, in dem er die ganze Welt bereist und die Eifel, in der er mit Vincentini ein elektrisches Akupunkturgerät verkauft, das gegen jede Krankheit helfen soll. Als alter Mann im Heim wird er von Annie liebevoll gepflegt, ihm ist, als wäre seine Peeh endlich wieder da, als würde er ihr jetzt im Alter die abenteuerliche Geschichte seines Lebens erzählen, eine Geschichte über die Liebe, das Altern und das Vergessen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2013

Mit großer Begeisterung hat Rezensentin Andrea Lüthi Norbert Scheuers neuen Roman "Peehs Liebe" gelesen, der sie einmal mehr in die "rau-melancholische" Umgebung des kleinen Dorfes Kall in der Eifel führt. Sie begegnet hier dem meist verwirrten Rosarius, der, wenn er nicht gerade Straßennamen aufschreibt, der Hilfspflegerin Annie Geschichten aus seinem Leben und seiner großen Liebe zu Peeh, die er im Alter von dreizehn Jahren nur einmal traf, erzählt. Aber auch die anderen liebevoll beschriebenen, eigensinnigen Figuren, die alle auf ihre Weise mit Hölderlins "Hyperion" in Verbindung stehen - etwa der alte Karl Höger, der sein Leben mit Steinlastern zwischen Zementwerk und Kalksteinbruch verbrachte, aber dennoch Geschichten von fremden Ländern zu berichten weiß - haben die Kritikerin für sich eingenommen. Sie lobt Scheuers charmanten Roman nicht nur als feinfühlige Studie über das Altern und die Liebe, sondern auch als glänzendes Buch über die "Ungewissheit des Lebens".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2012

Merkwürdige Liebe, findet Eva Mackensen. Die Wiederkehr des Immergleichen ist auch, worum es dem Autor eigentlich zu tun ist in diesem Roman, dessen Protagonist die Rezensentin mehrfach an Oskar Matzerath erinnert, nur dass dieser hier sehr viel provinzieller unterwegs ist, was Mackensen aber nicht stört. Im Gegenteil ist es genau dies, das Kreisen der Figuren und der Handlung um eine kleine Eifelwelt, was Mackensen gefällt, Bewegung und Stillstand zwischen Wäscherei und Mansarde. Schelmisch und autistisch erscheint der Held Mackensen, bescheiden und brüchig das Bild seines Leben, das Norbert Scheuer im Roman zeichnet, und dennoch kommt ihr die Geschichte keineswegs tragisch vor.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2012

Einmal mehr erzählt Norbert Scheuer von seiner Heimatstadt Kalk in der Eifel, berichtet Rezensent Markus Clauer, der ein großer Freund von Scheuers "antiidyllisch erneuerter Heimatliteratur" ist. Mit viel Lob bedenkt er auch den neuen Roman des promovierten Philosophen, denn "Peehs Liebe" besticht seiner Meinung nach insbesondere durch seinen wagemutigen Grenzgang zwischen Verrücktheit und Kitsch. Der Kritiker liest hier die Geschichte des zurückgebliebenen, aber ständig Hölderlin zitierenden Sonderlings Rosarius Delamont, der sein Leben in der vertrauten Ödnis der Provinz fristet und kurz vor seinem Tod im Altersheim noch einmal eine Liebe zu einer Pflegerin erlebt, die er fälschlicherweise für seine Jugendliebe Peeh hält. Begeistert stürzt sich der Rezensent in Scheuers "labyrinthische Verwicklungen", liest neben zahlreichen Zitaten aus Hölderlins "Hyperion" auch viel Zeitgeschichtliches und kann dieses ebenso so schöne wie "gefährliche Kunstwerk" nur jedem Leser dringend ans Herz legen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2012

Einen zwiespältigen Eindruck hat Norbert Scheuers Roman "Peehs Liebe" bei Andreas Platthaus hinterlassen. Er würdigt den Autor als "literarischen Chronisten" der Eifel, einer Region, in der Scheuers frühere Romane spielen. Im Mittelpunkt des vorliegenden Romans sieht er Rosarius Delamot, der erst im Erwachsenenalter nach der Lektüre von 941 Büchern im Gefängnis zu sprechen und zu wachsen beginnt. Er lobt die komplex verschachtelte Geschichte von Rosarius, den kunstvollen Wechsel unterschiedlicher Erzählebenen und die liebevolle Figurenzeichnung. Weniger glücklich ist Platthaus mit Scheurs Umgang mit dem Aspekt der Ferne. In dem Umstand, dass den Figuren das Verlassen der Region nicht gut bekommt, sieht der Rezensent eine Nähe zu einer "bodenverliebten Heimatliteratur, an die man nicht gern erinnert wird".
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.07.2012

Schwer beeindruckt zeigt sich Christoph Schröder von Norbert Scheuers Roman "Peehs Liebe" über den Außenseiter Rosarius Delamot und seine sehr spezielle Erfahrungs- und Empfindungswelt. Große Erzählkunst sei das, meint der Rezensent, wie sich der Autor in seinen kleinwüchsigen und entwicklungsverzögerten Protagonisten hineinversetzt und einer Figur, die leicht als "Dorfdepp" abzuqualifizieren wäre, zu ihrem Recht verhilft. Dabei komme der Roman so leichthändig daher, dass sich leicht übersehen ließe, welch "komplexes Gebilde aus Erzähl- und Motivebenen" sich darin eigentlich verberge. Besonders beeindruckt ist der Rezensent von der einfühlsamen Schilderung der Wahrnehmungssphäre des Protagonisten und der "zärtlichen Beobachtungskraft für Details", die Scheuer dabei an den Tag legt.