Camille Laurens

So wie du mich willst

Roman
Cover: So wie du mich willst
dtv, München 2023
ISBN 9783423283588
Gebunden, 208 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Lis Künzli. Gefährliche Liebschaften einer Frau in den mittleren Jahren. Ihr Name ist Claire, sie ist 48 Jahre alt, Literaturprofessorin und geschieden. Um Jo, ihren wankelmütigen Geliebten, im Auge zu behalten, erstellt sie ein gefälschtes Facebook-Profil: Dort wird sie zu einer vierundzwanzigjährigen, alleinstehenden, brünetten jungen Frau, und das Foto, auf dem sie so schön ist, ist nicht ihr eigenes. Als diese fiktive Doppelgängerin schreibt sie mit dem sehr viel jüngeren Christophe - und verwickelt sich in eine Liebesgeschichte, wie sie nur der Cyberspace erzählen kann. In einem Vexierspiel zwischen realer und virtueller Welt erzählt Camille Laurens von einer Frau, die im Leben fast alles hat, bis sie im besten Alter unsichtbar wird. Und die sich weigert, ihr Begehren aufzugeben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.08.2024

Camille Laurens hat einen Roman geschrieben, dessen Protagonistin Claire sich weigert, sich im Alter von 48 Jahren schon als nicht mehr begehrenswert, als nicht mehr sexuelles Wesen zu begreifen: Sie ist in der Psychiatrie, erklärt Kritikerin Marielle Kreienborg, baggert ihren Psychiater an und erschafft ein Online-Alter Ego, das mit jüngeren Männern flirtet. Der Roman schafft Kreienborg zufolge eine "Matrjoschka"-artige Erzählsituation, in der jeder und jede glaubt, den Anderen zu täuschen. Die Aufdröselung von Wahrheit und Lüge findet Kreienborg dabei weniger spannend als die Frage, wie die unterschiedlichen Erzählbedingungen zwischen Psychiatrie und Facebook-Chat das Erzähl an sich verändern. Auf jeden Fall ein anregender Roman, kann an dieser Rezension entnehmen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 07.12.2023

In Frankreich ist Camille Laurens längst hoch angesehen, jetzt wird es Zeit, sie auch in Deutschland zu entdecken, hält Rezensent Rainer Moritz nach der Lektüre eines Romans fest, der sich der Frage widmet, was Identität eigentlich ist. Die Protagonistin Claire Millecam begegnet dem Kritiker als Psychiatriepatientin mit mehreren Identitätsschichten: Ihre Verletzungen bespricht sie mit ihrem Psychiater, der später auch aus einem Manuskript liest, das sie in der Schreibwerkstatt verfasst hat und in dem sie über eine Beziehung mit einem jüngeren Mann schreibt. Unter falscher Identität als halb so alte Frau hatte sie sich nach dem Auseinanderbrechen ihrer Beziehung zu Joel eine fruchtbare Beziehung mit dessen Freund begonnen, allerdings nur im digitalen Raum und als angeblich sehr viel jüngere Frau. Jetzt schreibt sie darüber, als hätte sie in Echt eine glückende Beziehung zu ihm, was durchaus verwirrend ist, wie Moritz einräumt. Ihm gefällt aber diese Übermalungstechnik ebenso wie Laurens' bissige Bemerkungen über die Behandlung von Frauen um die 50.

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