Arnon Grünberg

Der Mann, der nie krank war

Roman
Cover: Der Mann, der nie krank war
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2014
ISBN 9783462046601
Gebunden, 240 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten. Samarendra, Sohn eines indischen Vaters und einer Schweizer Mutter, ist ein ehrgeiziger junger Architekt, der im Auftrag eines reichen Exil-Irakers eine Oper in Bagdad entwerfen soll. Sam erwartet, mit allem Komfort empfangen zu werden, denn "wie er in der Zeitung gelesen hatte, war dort das Schlimmste so ziemlich vorbei". Er ist voller Idealismus und lebt für seine Entwürfe und für die Pflege seiner behinderten Schwester Aida. Erst an dritter Stelle kommt seine Freundin Nina, für die er Liebe, aber nicht immer Leidenschaft empfindet. Sams Reise nach Bagdad verläuft von Beginn an holprig: In seinem Koffer befindet sich fremde schmutzige Kleidung, das Internet funktioniert nicht, sein Auftraggeber lässt auf sich warten. Und ganz plötzlich bricht Sam der Boden unter den Füßen weg.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.11.2014

Arnon Grünbergs Geschichte des Schweizer Architekten Samarenda Ambani faltet sehr subtil eine tief ironische Pointe auf, berichtet Merten Worthmann. Die Bedeutung der Architektur, auf die sich Ambani beruft und an deren Sinn er teilhat, ist eine andere als er glaubt, erklärt der Rezensent. Während Ambani sich in deren Größe und Fähigkeit zu überdauern wiederfindet, bietet sich eher eine Analogie an, nach dem ein Haus eben doch nur eine Hülle bleibt, solange es nicht mit Leben gefüllt wird: Ambani ist ganz Fassade ohne Füllung, so Worthmann. In der Schweiz hatte das noch niemand bemerkt, aber als der Architekt zuerst nach Bagdad und dann nach Dubai reist, stößt seine reine Oberflächlichkeit den Menschen dort auf, weil sie dahinter Boshaftigkeit vermuten, verrät der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.08.2014

Vor allem thematisch scheint Christian Mayer dieser Roman des niederländischen Autors Arnon Grünberg zu interessieren: Es geht, wie wir vom Rezensenten erfahren, um einen angepassten Schweizer Architekten, der in den Irak fährt, um dort für einen reichen Mäzen Frank Llody Wrights hochfliegenden Traum von einem Opernhaus auf der Tigrisinsel zu verwirklichen. Dort wird er prompt von "Militärmachthabern" gefangen und gefoltert, schwer gedemütigt und traumatisiert in die Schweiz zurück, nur um bald darauf in Dubai eine ähnlich Pleite zu erleben. Mayer sieht in dem Roman nicht nur ein Lehrstück über "Idealismus und Realitätsverlust", sondern auch eines über das globale Geschäft der Architekturnomaden, die besonders gern in Diktaturen Investorenwünsche erfüllen. Etwas klischeehaft findet der Rezensent manche Wendungen in dem Roman, aber alles in allem attestiert er ihm "Schärfe, Witz und Spannung".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2014

Martin Halter hält Arnon Grünbergs kleinen Roman für ein Werk mit zwei Geschossen - oben Komödie, unten Tragödie. Wie sich das Vertrauen in eine fremde Kultur als Illusion erweist, lernt Halter zusammen mit Grünbergs Held, einem in Dubai als Spion verdächtigtem Architekten. Kafkaesk die folgenden Missverständnisse, slapstickhaft die boshafte Ironie, die der Autor der Handlung unterlegt, wie Halter erläutert. Meisterhaft findet Halter die dramatische Komposition des Buches, seine nüchterne Sprache, seine pointierten Dialoge und seine präzise gezeichneten Figuren.
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