Norbert Gstrein

Der zweite Jakob

Roman
Cover: Der zweite Jakob
Carl Hanser Verlag, München 2021
ISBN 9783446269163
Gebunden, 448 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

"Natürlich will niemand sechzig werden." Damit beginnt Jakobs Lebensgeständnis. Dem bekannten Schauspieler, über den ein Verlag eine Biografie plant, graust es vor dem Kommenden. Da stellt ihm seine Tochter die Frage, die alles sprengt: "Was ist das Schlimmste, das du je getan hast?" Jakob erinnert sich an einen Filmdreh an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Die Morde an Frauen und das Elend dort bekam er bloß distanziert mit - aber zwei Mal war er plötzlich mittendrin. Er schämt sich, ringt mit den simplen Urteilen der Welt und sehnt sich in gleißenden Erinnerungen nach dem Glück. Warum ist er kein Original, sondern stets nur "der zweite Jakob"?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2021

Rezensent Roman Bucheli erfährt bei Norbert Gstrein, dass niemand Herr seiner eigenen Geschichte ist, weder im Jetzt noch betreffend die Vergangenheit. Gestreins Held, ein alternder Schauspieler mit einem dunklen Geheimnis, regt Bucheli mächtig auf, weil er so ein Jammerlappen ist und er alles, was er anfasst, verbockt. Dass Bucheli seiner Geschichte dennoch folgt, bis Gstrein seine Figur quasi in Grund und Boden geschrieben hat, liegt am Tempo, an der dichten Struktur der Story und an ihrer Beiläufigkeit, die Bucheli für kunstvoll hält.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.02.2021

Ist Hilmar Klute nun erschüttert oder begeistert von diesem Roman, den er ausführlich nacherzählt und in seinen Motiven auf den vorigen Roman des Schriftstellers, "Als ich jung war", bezieht? Auf jeden Fall hat ihn die darin steckende Wut, wohl auf die "Gegenwart" in toto, einigermaßen umgehauen. Daneben hat ihn auch das Spiegelkabinett der Anspielungen und literarischen Verweise fasziniert, das immer wieder auch zu einem Spiel mit biografischen, selbstbezüglichen Elementen wird. Die Geschichte eines alternden Schauspielers, der sich mit seiner Tochter und einer Lebensschuld herumschlägt, ist für diesen Kritiker in ihrer komplexen Konstruktion jedenfalls auch eine Art künstlerische Selbstverortung - und überhaupt eine "Kunstleistung", was ein kleines bisschen ambivalent gemeint sein könnte.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.02.2021

Rezensent Christoph Schröder führt in einer ausführlichen Besprechung das  komplexe Handlungsfeflecht vor Augen, das Norbert Gstrein in seinem neuen Roman ausbreitet. "Der zweite Jakob" erzählt vom erfolgreichen Innsbrucker  Schauspieler Jakob Thurner, dem kurz vor dem sechzigsten Geburtstag ein Biograf zu Leibe rückt, und auf einer zweiten Zeitebene von Dreharbeiten im Süden der USA, an der Grenze zu Mexiko in den achtziger Jahren. In diesen letzteren, atmosphärisch sehr suggestiven Passagen fühlt sich der Rezensent an die Filme von David Lynch erinnert. Dank Gstreins stilistischer Eleganz und melodiöser Sprache merke der Leser gar nicht, warnt der Rezensent, welch Ungeheuerlichkeiten ihm da in "Schönheit und Raffinesse" untergejubelt werden. Doch was Gstrein eigentlich wolle, erkennt Schröder auch: Im Grunde sei der Roman ein "groß angelegtes Identitätsauslöschungsprogramm", ein Gegenprogramm zu den identitätspolitischen Debatten, die den Menschen auf Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht festlegen wollen, glaubt Schröder: Ein Roman, der auf Menschlichkeit beharrt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 13.02.2021

Rezensent Richard Kämmerlings sieht in Norbert Gstreins neuem Roman alles andere, nur kein Alterswerk. Wie der Autor einmal mehr einen unzuverlässigen Erzähler einführt, einen Schauspieler in diesem Fall, der sein Leben Revue passieren lässt und damit eine tief sitzende Schuldfrage und Lebenslüge, scheint Kämmerlings lesenswert. Gstreins Rekonstruktionen sind für ihn kammerspielartige Preziosen, kriminalistische Verhöre, die den Leser immer wieder mit neuen Wendungen überraschen. Das erinnert Kämmerlings an Max Frisch, noch mehr aber an Gstrein.
Stichwörter