»Das Theater des ?konstruktiven Defaitismus?, der Titel dieser Arbeit beschreibt ihr Projekt, die Konstruktion der Theorie eines Theaters, das sich von Beginn an gegen jede Fixierung und mithin gegen Theorie und Konstruktion sträubt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.03.2003
Wer sich für Heiner Müller interessiert, wird dieses Buch lesen müssen, trotz mancher schwieriger und theoretischer Passagen. Allein die "bahnbrechende Relektüre des 'Lohndrückers'" lohnt den Aufwand, meint der Rezensent Thomas Weitlin, der vor allem Müllers Frühwerk durch Müller-Schölls Buch völlig neu bewertet sieht: Demnach waren die frühen Werke nicht so ideologisch wie sie schienen. Schon hier, so zeige Müller-Schöll an der Analyse der Stücke und der Beziehung Müllers zu Bertolt Brecht und Walter Benjamin, lasse Müller einen "konstruktiven Defaitismus" walten, der den scheinbar ideologischen Gestus zu einem Gestus des "Als ob" macht und den Autor somit aus dem Ruch der simplen Parteilichkeit befreit. Schon früher als bisher angenommen, so entnimmt es Weitlin diesem Buch über den wichtigsten deutschen Dramatiker der Nachkriegszeit, hat sich Müller von Brechts "optimistischer Geschichtsauffassung" entfernt, um "Widerstand gegen jedwede 'Reinheit'" zu leisten.
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