Herausgegeben und mit einem Nachwort von Jürgen Kaube. Jede Organisation, und sei sie noch so behäbig, erfährt eine gewisse Erschütterung durch die Nachricht, dass ein neuer Chef oder eine neue Chefin ins Haus steht. Flurgespräche häufen sich, mit Wissensvorsprüngen wird gepunktet, Ungewissheit liegt in der Luft. Aber auch nach vollzogenem Wechsel gibt es Probleme, etwa wenn der, der "von oben" überwachen soll, "von unten" angelernt werden muss. Kurzum: Die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Untergebenen ist kompliziert. Niklas Luhmann hat sie unter die soziologische Lupe genommen und zeigt, wodurch sie strapaziert wird: durch Kommunikationsschwierigkeiten und Selbstdarstellungsinteressen, Rollenfindungsprobleme und Wertvorstellungsdissonanzen. Der Schatten des Vorgängers kann lang, der Einfluss innerbetrieblicher Cliquen schwer zu durchbrechen sein. Und über allem schwebt die Frage: Wer hat die Macht?
Hannah Lühmann macht sich ein wenig darüber lustig, dass der Suhrkamp-Verlag nun drei rund 50 Jahre alte Texte von Niklas Luhmann neu herausbringt, in einem "topaktuellen, sytlish unterkühlten Heranziehungsessayband zur aktuellen Lage der Arbeitswelt". Die Rezensentin versucht, mit ironischem Unterton, Bezüge zwischen den sehr abstrakt gehaltenen Ausführungen Luhmanns und der heutigen Start-up-Kultur herzustellen. Das Tolle am Systemtheoretiker sei, so Lühmann in weiterhin spitzzüngigem Tonfall, dass man mit dessen Soziologie die Welt beschreiben könne, ohne Antworten zu geben. In den Texten Luhmanns sei zwar auch dessen praktische Erfahrung als Verwaltungsbeamter spürbar, schreibt die Kritikerin, doch sie seien stets vom Systemdenken geprägt und würden deshalb "therapeutische Enthaltsamkeit" praktizieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.03.2016
Johan Schloemann staunt über die Präzision und den trockenen Witz, mit denen Niklas Luhmann in diesen drei Aufsätzen recht zeitlose Beobachtungen über die Ordnung von Arbeitsbeziehungen nachdenkt, über Sorgen, Defizite und die notwendigen Qualitäten von Chefs. Auch wenn vieles im Band nach Nachkriegsverwaltung muffelt und sich laut Schloemann am heutigen globalen Arbeitsleben reibt, scheinen dem Rezensenten Luhmanns um 1964 entstandenen Analysen meist treffend.
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