Sie sind bunt, individuell, skurril und schön. Sie sind aus Stanzbutzen, Moniereisen, Zahnrädern, kurz aus Industrieresten. Sie: Das sind die Gartenzäune "Marke Eigenbau", gefertigt zwischen 1960-1989, in der DDR. Selbstbau war die kreative Antwort der Bevölkerung auf den allgegenwärtigen Mangel an Waren. In der "Privatproduktion" entstand eine völlig individuell geprägte Ästhetik, jenseits der staatlich genormten Gestaltungsmuster. Heimwerker entwarfen eigene Skizzen und schweißten Zäunen mit Initialien, Jahreszahlen, Blumen- oder Tiermotiven. Vor den gleich-förmigen Eigenheimtypen prangten die liebevoll gestalteten Zäune wie "Familienwappen".
Helmut Böttiger ist von diesem Band über private DDR-Zäune vollends begeistert und preist es als "subtile Bewusstseinsstudie" zu einem Stück Alltagskultur der untergegangenen DDR. Das Buch genügt nach Ansicht des hingerissenen Rezensenten durch die sorgfältig recherchierten Daten und die "einfühlsamen" Porträts verschiedener Zaunerbauer nicht nur "höchsten kulturwissenschaftlichen Ansprüchen", sondern den Autorinnen gelinge zudem das Kunststück, die "Dialektik" der am Zaun zur Schau gestellten "Heimeligkeit" zu demonstrieren. "Zaunwelten" erschließt die "psychologischen und soziologischen Erscheinungsformen" des Zauns, lobt Böttiger, dem auch das dem Band beigegebene Kartenspiel mit den "schönsten Zaunmotiven" mit der Verpackung aus DDR-"Maschinenlederpappe" sehr gefällt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.06.2005
Angesichts dieses Werks über Gartenzäune in der DDR kommt Christian Kortmann ins Sinnieren: eigentlich, meint er, ist es vollkommen "egal", worüber man ein Buch schreibt, das Thema "muss nur ernst genommen werden". Auf jeden Fall liegt nun die "endgültige DDR-Gartenzaunkunde" vor, bekräftigt der Rezensent belustigt und er ist durchaus beeindruckt, was für Geschichten aus dem DDR-Alltag die Autorinnen Nicole Andries und Majken Rehder bei ihren Gesprächen am Gartenzaun ans Licht bringen. In diesem Buch wird der "Doppelcharakter" des Zauns eindrucksvoll benannt, lobt der Rezensent, nämlich einerseits konventionelle Forderung und gleichzeitig ein "ästhetisches Objekt" von sehr individueller Gestaltung zu sein. Durch die Mangelwirtschaft des Ostens sind einige ziemlich skurrile Gartenzäune entstanden, die westdeutsche Eigenheimprobleme völlig harmlos erscheinen lassen, so Kortmann amüsiert, der die Erkundungen des Ost-Zauns als "alltagskulturelles Randphänomen" durchaus "interessant" findet.
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