Nicolas Mathieu

Rose Royal

Roman
Cover: Rose Royal
Hanser Berlin, Berlin 2020
ISBN 9783446267855
Gebunden, 96 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Lena Müller und André Hansen. Nach "Wie später ihre Kinder" erzählt der Prix-Goncourt-Preisträger Nicolas Mathieu die Geschichte einer Frau, die beschließt, kein Opfer mehr zu sein. Rose ist fast fünfzig, als sie Luc kennenlernt. Sie hat eine Ehe überstanden und zwei Kinder zur Welt gebracht, hat Liebschaften erlebt, Jobwechsel, Schicksalsschläge und Trauerfälle. In ihrer Handtasche steckt ein Revolver, der sie gegen die vielen Dreckskerle dieser Welt beschützen soll. Doch Luc ist anders, das spürt sie sofort...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2020

Rezensentin Rose-Maria Gropp wird die "Nachbilder" nicht los, die Nicolas Mathieus eiskalte wie -klare Sprache bei ihr hinterlässt. Wie der Autor die Kontur seiner Hauptfigur scharf und knapp umreißt und eine "atemberaubende Intensität" schafft, die laut Gropp auf die Gegenüberstellung weiblicher wie männlicher Stereotype hinausläuft, findet die Rezensentin unerhört. Mathieus "filmisches" Erzählen mit Schnitt und Gegenschnitt hält Gropp für beeindruckend gelungen. Ein eleganter, ein ungeheuerlicher Text, so die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2020

Rezensent Paul Jandl ärgert sich über diesen Roman, der nichts von dem großen französischen Sittenbild habe, mit dem Nicoals Mathieu vor zwei Jahren debütierte. Viel Allerweltstristesse sieht der Rezensent in der Geschichte einer in die Jahre gekommenen Frau, die sich nach etlichen Enttäuschungen wieder in die Abhängigkeit eines Mannes begibt. Doch seelische Not, Alkoholismus, Gewalt, soziale und emotionale Unterschiede - alles bleibt für Jandl reine Behauptung, nichts werde beglaubigt. Von wegen sozialer Sprengstoff, von wegen Knalleffekt, schimpft Jandl, der Roman sei die reine Platzpatrone.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.07.2020

Rezensent Fokke Joel hat sich von Nicolas Mathieus neuestem Roman gerne in das Milieu der kleinen Leute aus der französischen Provinz führen lassen. Unaufgeregt und überzeugend erzählt er von einer starken Frau, deren Herkunft sie trotz der vielen Lektionen, die sie schon gelernt hat, immer wieder einholt, so Joel. Zuletzt betrifft das dem Rezensenten zufolge die Wahl eines Partners, mit dem die Protagonistin in die Akoholsucht abrutscht. "Atmosphärisch dicht und spannend", verspricht der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.07.2020

Dirk Fuhrig hätte sich gewünscht, Nicolas Mathieu hätte etwas mehr Kraft investiert in seinen Text. Dass "nur" eine Novelle herausgekommen ist, liegt jedenfalls nicht am Stoff, den Fuhrig reich und spannend findet. Die Provinzgeschichte einer von männlicher Gewalt drangsalierten, durchaus wehrhaften Frau erzählt der Autor laut Rezensent so meisterlich, einfühlsam und schonungslos, dass es unbedingt Lust auf mehr macht. Allein wie Mathieu ganz aus der Perspektive einer 50-Jährigen schreibt und die Männer nur indirekt vorkommen lässt, scheint Fuhrig absolut lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.07.2020

Judith von Sternburg hält Nicolas Mathieus kleinen Roman für einen Augenöffner. Wie der Autor das schäbige kleine Leben seiner Hauptfigur zwischen Sehnsucht und immer wieder geduldeter Gewalt schildert, zwar mitunter etwas zu skizzen- und parabelhaft, aber doch psychologisch glänzend, schlägt Sternburg in Bann. Unerbittlich wird hier das kleine Glück seziert, meint sie, der Alkohol, der toxische Mann, die leidlich sich wehrende Frau. All das vom Autor in größere Breite geschildert zu bekommen, das wär's noch, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.07.2020

Tilman Krause bekommt mit dem neuen Text von Nicolas Mathieu Lakonie und eine Menge überraschender Volten geboten. Die "kammerspielartige" Geschichte um eine abgehärtete Fünfzigerin namens Rose besticht laut Krause unter anderem durch eine "gestanzte Formulierungskraft" und die Enttäuschung von Lesererwartungen. Als weibliche Selbstermächtigungsgeschichte lässt sich die Novelle nämlich nicht lesen, warnt Krause. Es siegt das (männliche) Prinzip Gewalt über das (weibliche) Prinzip Kommunikation, erklärt er. Wie der Autor dies "messerscharf" aus den Figuren entwickelt, findet der Rezensent enorm.