Jean Echenoz

Die Caprice der Königin

Cover: Die Caprice der Königin
Hanser Berlin, Berlin 2016
ISBN 9783446250727
Gebunden, 144 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Der alte Lord Nelson pflanzt eigenhändig Eichen, er, der stets unter Seekrankheit litt, möchte sicherstellen: Seine letzte Ruhestätte soll nicht das Meer sein. In einem Schnapsfass wird dereinst sein Leichnam an Land geschafft werden. Dieses Heldenleben auf sechs Seiten ist der Auftakt der sieben Texte, die an sieben Erzählorten spielen - von Suffolk über das antike Babylon bis zu Le Bourget, einem Vorort von Paris. Sie eint der Echenoz'sche Ton und die Aura von Nonchalance und Ironie, die alle Texte seine umgibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2016

Ingeborg Waldinger hat mit diesen sieben, bereits zuvor publizierten Prosatexten von Jean Echenoz ein Glanzstück französischer Erzählkunst zu annoncieren. Großes Kino ist für sie, wie der Autor mal einen sozialpolitischen Reisebericht aus der Pariser Banlieue, mal eine Impro zur Bilderverehrung und mal ein Lebensbild Nelsons liefert, kurz und treffend. Dass der Autor alle Freiheit hat, erfährt sie bei Echenoz anhand des Umgangs mit Zeit und Raum und Perspektivik. Die sprachliche Eleganz und die Ironie des Autors sorgen dafür, dass Waldinger Echenoz' hin- und herzoomende Sehschule gerne besucht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.06.2016

Jean Echenoz und seine kurzen Texte haben einen Fan in Ulrich Rüdenauer. Die Meisterschaft des Autors besteht für den Rezensenten darin, die Bruchstellen der Geschichte und ihrer Protagonisten auf wenigen Seiten festzuhalten, etwa die Marotten des Kriegshelden Admiral Nelson oder die Unzulänglichkeit von Herodot als Geschichtsschreiber. Auch über das Brückenwesen weiß Echenoz in diesem Band Erhellendes, virtuos Kondensiertes zu berichten, meint Rüdenauer. Die kokette Leichtigkeit seiner Sätze täuscht den Rezensenten allerdings nicht über die Abgründe der Figuren hinweg. Auch wenn die Texte im Band unterschiedlichen Anlässen entsprungen sind, wie Rüdenauer erklärt, durch ihren untröstlichen, anteilnehmenden Blick sind sie miteinander verbunden, meint er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2016

Niklas Bender zeigt sich beeindruckt von Jean Echenoz und dessen Meisterschaft in der kleinen Form. Was als Gelegenheitsarbeiten daherkommt, sind für Bender Diamanten. Jeder Satz, jedes Wort stimmt, meint er, und manche Erzählungen im Band bergen Saft für einen ganzen Roman. Thematisch vielfältig sind die versammelten Texte auch. Ob in der Parodie einer Spionage-Story oder der Geschichte einer unglücklichen Liebe, stets entdeckt der Rezensent Momente einer technischen Welt, die individuelle Tragik verbirgt. Den Autor aber findet Bender auf der Höhe seiner Kunst, wenn Echenoz die Bruchstellen der Existenz offenlegt.
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