Nicola Bardola

Schlemm

Roman
Cover: Schlemm
A1 Verlag, München 2005
ISBN 9783927743793
Gebunden, 159 Seiten, 18,40 EUR

Klappentext

Das Ehepaar Paul und Franca Salamun stiftet vor seinem selbstbestimmten Tod eine stille Konspiration der Liebe. Eingeweiht werden zunächst nur die Söhne und deren Frauen. Der Sohn Luca Salamun - selbst Vater eines neunjährigen Kindes - spürt der Vergangenheit nach. Nachdem er vor Jahren den Kontakt zu den Eltern fast abgebrochen hat, versetzt er sich nun umso intensiver in die Lage seines Vaters, eines Bridgemeisters und Mathematikers, der mit 75 Jahren nach einem Krebsbefund beschlossen hat, sich nicht operieren zu lassen. Luca versucht, auch seine Mutter zu verstehen, die ein Geheimnis mit sich trägt, das sie nicht preisgeben will. Welche Gedanken gehen dem frei gewählten Doppel-Tod voraus? Und wie reagieren die Hinterbliebenen?
Der Vater Paul Salamun lässt im winterlichen Engadin während der letzten Wanderung mit seiner Frau Franca sein Leben Revue passieren. Schlemm, der Kontrakt, bei dem der Bridgespieler zwölf Stiche machen muss, stellt ein Ziel in seinem Denkgebäude dar. Luca hofft, die Beweggründe Pauls und Francas zu begreifen, um seiner Tochter eines Tages erklären zu können, was mit den Großeltern geschehen ist. Doch zu seiner Überraschung entdeckt er, dass er selbst Teil der elterlichen Verschwörung ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.11.2006

Dieser Roman packt das schwierige Thema der Sterbehilfe an und hat deshalb für Debatten gesorgt, weiß Thomas Kraft, den das Buch berührt und begeistert hat. Nicola Bardola erzählt darin von einem Ehepaar, das sich wegen einer Krebserkrankung zum Freitod entschließt, und von den Auswirkungen, die diese Entscheidung auf ihre Kinder hat. Er ist sehr beeindruckt von den unsentimentalen, dabei sehr eindrucksvollen Schilderungen des Autors. Gleichzeitig plädiert er leidenschaftlich dafür, diesen Roman nicht nur als einen Kommentar zu einem hochaktuellen Thema wahrzunehmen, sondern ihn auch als berückendes literarisches Werk zu würdigen, das bewegt und zum "Nachdenken" anregt und zudem auch in der Form besticht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2006

Nicola Bardolas Roman "Schlemm" hat Rezensentin Angelika Overath ebenso beeindruckt wie verstört. Die Umsetzung des Themas, es geht um den selbstbestimmten Tod, für den sich ein Ehepaar nach der Krebsdiagnose des Mannes entscheidet, hält sie für überaus gelungen. So beklemmend sie die Geschichte um das vernünftig geplante Sterben der Eheleute findet, so berührend scheint ihr das "hilflos-leise" Psychodrama der zurückbleibenden Familienmitglieder, der Söhne und ihrer Frauen, das der Autor aufmerksam und genau beschreibt. Bardolas Roman ist für Overath "gute Literatur", die sensibilisiere und den Horizont offen halte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2005

Die in der Schweiz angesiedelte Geschichte, in der vom geplanten Tod eines älteren Paares erzählt wird, hat einen großen Eindruck auf Rezensentin Laura Weißmüller gemacht. Das liegt ihrer Meinung vor allem daran, wie zurückhaltend der Autor seine Protagonisten einführt und "gerade damit dem Leser nahe bringt". Zudem ist er beeindruckt davon, wie gezeigt wird, dass doch jeder auf seine ihm eigene Weise stirbt. Nicola Bardola schafft es in den Augen von Weißmüller, dieses schwierige Thema mit Traurigkeit, aber ohne Pathos und stilistisch stimmig aufzubereiten: "Fast drehbuchartig beschreibt er Schlüsselmomente der Familie, begleitet die Charaktere wie ein versteckter Kameramann, nie wertend, immer beobachtend."
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