"Geschmeidig, als hätte er ein Ich, / nimmt er auf einer Marmorsäule Platz, / in seinem Köpfchen wehen Farne der Verblendung ...! Ob Günter Herburger wie hier einen "Stadtspatz" porträtiert, ob er die Klüfte des ländlichen Idylls oder die Physiognomie der Stalin-Allee zum Gegenstand seiner Lyrik macht, sein empathischer Blick ist stets gepaart mit hoher sprachlicher Durchdringung und einer Brechung des allgemein Gewohnten. In diesem neuen Gedichtband, dem ersten, seit er wieder in Berlin lebt, treffen die Natur und das Urbane noch härter aufeinander. Doch diese Gedichte sind mehr als ein zweidimensionaler Blick zurück (ins Allgäu) und hinein ins Innere der Hauptstadt. Günter Herburger löst die Dinge aus ihren vertrauten Zusammenhängen und verlagert die Wirklichkeit ins Phantastische, zuweilen Märchenhafte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2010
Etwas, das selten geworden ist, verkörpert für seinen hier rezensierenden Kollegen Mirko Bonne der Dichter Günter Herburger, den man auch als Marathonläufer und Übersmarathonlaufenschreibenden kennt. Das Seltene: Diese Gedichte wagen sich wirklich heraus aus der lyrischen Konvention. Nicht, indem sie irgendetwas besonders spektakulär tun. Schon gar nicht, versichert Bonne, indem hier ein allzu lyrisches Ich sehr persönlich von sich spricht. Alles geht vielmehr zum Schein poetisch gesittet zu. Und doch ist die Art, wie Herburger die ganze Welt in Gedichten erfasst, für Bonne so "schön" wie "irritierend". Die "Klangfülle" und die "Bennenungsakribie" sind es, die ihn verzücken, den "Witz" der Gedichte liebt er und dem, der sie liest, verspricht er mit Cummings, sie würden ihm "die Augen seiner Augen" öffnen.
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