Nellja Veremej

Nach dem Sturm

Roman
Cover: Nach dem Sturm
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2016
ISBN 9783990270813
Gebunden, 238 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

Alt ist Ivo noch nicht, höchstens an der Grenze, aber zu alt dann doch, um sich in die Freundin des eigenen Sohnes zu verlieben. Seit die junge Frau im Museum auf der Festung arbeitet, Tür an Tür mit Ivo, der dort sein Restaurant hat, findet er keine Ruhe mehr. Mira raubt ihm den Schlaf. Nicht im Ehebett, das teilt er längst nicht mehr mit seiner Frau, die Gesangslehrerin ist, aber ein Star hätte werden können. Überhaupt ist alles anders gekommen in der kleinen Stadt an der Grenze, wo Westen und Osten, Norden und Süden aneinanderstoßen. Anders als erhofft. Es ist August, es ist drückend heiß, seine Tochter Ana hat Geburtstag, ein großes Fest steht bevor. Als wäre die Katastrophe, die Ivo auf sich zukommen sieht, nicht schon genug, hat sein Sohn auch noch einen Autounfall. Im Duktus einer Märchenerzählerin verwebt Nellja Veremej die Geschichte ihres Helden mit Mythen, Fabeln und Legenden. Aus dem leisen Humor, mit dem sie ihre Figuren, ihre Hoffnungen und Nöte betrachtet, spricht die Zuneigung einer Autorin, die aus eigener Erfahrung weiß, dass Geschichte aus Geschichten gemacht ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2016

Rezensentin Nicole Henneberg folgt den Wanderungen Nellja Veremejs durch das Herz Europas. Die Biografie der Autorin, ihre Lebensstationen im Ural, im Kaukasus, in Leningrad, schließlich in Berlin sieht Henneberg immer wieder im Text gespiegelt, der den Leser laut Rezensentin "mitreißend" in eine fiktive Stadt zwischen Ost und West entführt, eine Grenzregion, deren Historie und Gegenwart die Autorin "kunstvoll" miteinander verwebt. Figuren- und Stadtgeschichte verbinden sich vor dem Hintergrund großer Traumata. Politisch klug und einfühlsam und mit pragmatischer Ironie entwirft die Autorin Schicksalsbegegnungen, die laut Henneberg jederzeit den Blick öffnen können auf das kulturelle Gedächtnis Europas wie auf dessen Tragödien.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.05.2016

Nellja Veremejs zweiten Roman "Nach dem Sturm" sollte man sehr aufmerksam lesen, rät Rezensent Nico Bleutge. Denn die in der Sowjetunion geborene Autorin erzählt hier nicht einfach nur eine zarte Familiengeschichte, sondern reichert ihren Roman mit einer Vielzahl von Anspielungen, Zitaten, Bildern und Zweitgeschichten an, fährt der Kritiker fort. Statt sich von der scheinbar realistischen Schreibweise verführen zu lassen, taucht der Rezensent gebannt in das verzweigte Spiel mit Perspektiven und Handlungssträngen ein, lotet die Innenwelten der Figuren aus und bewundert, wie die Autorin Bilder, etwa von Hieronymus Bosch oder Albrecht Dürer in ihren Text einflicht. Diesem meisterhaften Porträt Ostmitteleuropas, das nicht zuletzt vom Schmerz, das Heimatland verlassen zu müssen, erzählt, verzeiht Bleutge nicht nur gern den ein oder anderen sprachlichen Ausrutscher, sondern auch, dass die Überlagerung von Gegenwart und Historie nicht immer ganz gelingt.

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