Evelyn Grill

Das römische Licht

Roman
Cover: Das römische Licht
Residenz Verlag, St. Pölten 2008
ISBN 9783701715039
Gebunden, 236 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Xenia ist Malerin. Als sie ein Stipendium erhält und nach Rom eingeladen wird, sieht sie ihre Chance gekommen, als Künstlerin aus dem Schatten zu treten. Kaum ist Xenia in Rom angekommen, erreicht sie ein Anruf der Schwester aus der Heimat: ihre Mutter, eine gefeierte Schriftstellerin, sei bei einer Lesung zusammengebrochen, sie liege im Koma. Die Mutter, der ihre Geltung immer wichtiger war als die Familie, ihre Kunst wichtiger als die Kinder: Ihretwegen soll Xenia zurückkehren, auf die Chance verzichten, sich selbst Geltung zu verschaffen nicht zuletzt gegenüber der Mutter? Deren Schweigen, deren Sterben und die eigene Distanz zwingen Xenia zur Auseinandersetzung mit der Kindheit, dem Egoismus der Mutter und nicht zuletzt mir ihrer eigenen Kunst dem Egoismus der Tochter. Xenia bleibt: wegen der Mutter, die für ihre Vorwürfe unerreichbar ist, und wegen der Liebe zu Alma, der Fotografin, die auf mysteriöse Weise verschwindet; auch sie, ohne sich zu verabschieden. Evelyn Grill ist unverwechselbar: nüchtern, lapidar, ohne Sentimentalität.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2008

Zwei ganz unterschiedliche Romane hat Judith Leister gelesen, in denen der unvorhergesehene Tod der Mutter für zwei blockierte Künstler eine zentrale Rolle spielt und die ihr beide gefallen haben. In Evelyn Grills Roman "Das römische Licht" steht die Malerin Xenia im Mittelpunkt, die während eines Stipendiumaufenthalts in Rom eine Schaffenskrise erlebt und sich gleichzeitig dagegen sträubt, zu ihrer im Koma liegenden Mutter nach Linz zu fahren, informiert die Rezensentin. Aus ihrer Blockierung wird sie von ihrer Mitbewohnerin Alma und deren Cousin Nico gerissen, um die sich die kolportagehafte Binnengeschichte des Romans dreht, erklärt Leister. Wie Grill die zweite Romanebene in ihrer geradezu "barocken Lasterhaftigkeit" inszeniert und deren Protagonisten mit "grimmigem Humor" schließlich wieder abtreten lässt, wie sie gekonnt Tod und Kunst vor der Kulisse Roms miteinander verschränkt, all das hat der Rezensentin ausnehmend gut gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2008

Auch in dem Roman "Das römische Licht" hat Evelyn Grill wieder einen dieser "ambivalenten Lebensentwürfe" aufgespürt, die Rezensent Andreas Platthaus so an der Autorin schätzt. Im Mittelpunkt des Buches steht Xenia, eine Malerin, die während eines Stipendiums in Rom nach neuen Impulsen für ihre Kunst sucht. Abgelenkt wird die Künstlerin von drei "erschreckenden Biografien", nämlich der sterbenden Mutter und zwei anderer, ebenfalls todgeweihten Stipendiaten, die das Buch in herausragender Genauigkeit erzählt, wie der begeisterte Rezensent preist. Neben Grills sich tief ins Gedächtnis einzeichnenden Figuren lobt Platthaus diesen Roman zudem als faszinierende Liebeserklärung an Rom, wobei die "Freude am dramatischen Potential" der Stadtkulisse, die die Autorin dabei an den Tag legt, offenbar ansteckend war.

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