Neil MacGregor

Deutschland

Erinnerungen einer Nation
Cover: Deutschland
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406679209
Gebunden, 640 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Neil MacGregors Reise durch die deutsche Geschichte beginnt mit dem Brandenburger Tor, und sie endet mit der Reichstagskuppel und Gerhard Richter. Unterwegs begegnen wir einem faszinierenden Ensemble, darunter Gutenbergs Buchdruck, Porzellan aus Dresden, deutsches Bier und deutsche Wurst, Goethe, Schneewittchen und Mutter Courage, die Krone Karls des Großen, ein Tauchanzug made in Ostdeutschland und das Tor von Buchenwald. Wie es Neil MacGregor gelingt, all diese Objekte zum Sprechen zu bringen und sie von deutscher Geschichte erzählen zu lassen, dabei die Schrecken der NS-Zeit nicht zu relativieren und doch den Reichtum der deutschen Geschichte begeistert und begeisternd vor dem Leser zu entfalten - das ist so intelligent, so bravourös und so unterhaltsam zugleich, dass man es einfach gelesen haben muss.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2015

Verwirrend und bereichernd zugleich wirkt Neil MacGregors Buch auf den Rezensenten Thomas Speckmann. Eine Geschichte der Deutschen, ihrer Art und ihrer Antriebe anhand von Objekten zu schreiben, scheint dem Rezensenten interessant, aber auch irritierend. Etwa wenn der Autor Triumphbögen in London, Paris und München miteinander vergleicht und schließt, der deutsche Bogen gemahne an Schuld und Niederlage und habe also eine moralische Botschaft, was Deutschland geschichtspolitisch überlegen mache. So ganz traut Speckmann solchen Folgerungen nicht, das eigentliche Ansinnen, vermutet er, liege womöglich darin, des Lesers Blick auf die vielen Abbildungen im Band zu lenken. Ähnlich geht es Speckmann bei den anderen Objekten, der Krone Karls des Großen oder einem Taucheranzug aus der DDR.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Rezensent Andreas Kilb findet so manchen Lichtstrahl auf sein Land in Neil McGregors Deutschland-Buch. Es schließt für ihn nicht nur die publizistische Lücke zwischen Wehler und Winkler, es lässt sich auch noch bequem lesen, versichert er. Und das liegt nicht nur am großen Druck, sondern auch an McGregors Lust, die Dinge scheinbar mühelos zusammenzubringen: Wurstsorten und Walhalla, Grimms Märchen und Caspar David Friedrich, Barlach und Käthe Kollwitz. Kilbs einziger Einwand dagegen wäre dieser: Die daraus resultierenden Wahrheiten sind mitunter allzu oberflächlich. Einen roten Faden hat das Buch laut Kilb nur in Bezug auf Bilder und Bonmots. So schön das auch sein kann, so positiv, es ist womöglich nur ein Effekt, ahnt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Geradezu verzaubert wirkt die hier rezensierende Ulinka Rublack, Geschichtsprofessorin in Cambridge, von Buch und Autor. Neil MacGregor, Direktor des Britischen Museums in London, sei ein Phänomen, findet Rublack, er habe an seinem Haus gar eine neue Art Geschichte zu schreiben begründet. Dies drücke sich auch in den "Erinnerungen einer Nation" aus, wie das neue Werk im Untertitel heißt. Die deutsche Ausgabe hat die Bebilderung des englischen Originals übernommen, stellt die Rezensentin mit Freude fest, denn Rublack hält das Zusammenspiel von Text und den 330 farbigen Abbildungen für "bahnbrechend". Der ungewöhnliche Erzählstil MacGregors mit vielen Experten-Einblendungen sei der Konzipierung als Radioserie geschuldet, erklärt Rublack und geht auf weitere Besonderheiten ein: So versuche der Autor, schon in der Einleitung, Erwartungshaltungen zu durchbrechen, auch seine thematischen und chronologischen Sprünge seien speziell, aber gelungen. Rublacks Fazit: eine Erinnerungsgeschichte, die man "wunderbar lesen, hören, sehen, fühlen und diskutieren" kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.09.2015

Sabine Vogel findet im Deutschland-Panorama des Direktors des Britischen Museums, Neil MacGregor, jede Menge Kurioses und Erfrischendes. Was sie schon weiß über ihr Land, das zeigt der Autor ihr neu, darüber hinaus schlägt er aus der Verbindung von Banalem und Kostbarem Erkenntnisfunken und bizarre Details. Monströs scheint Vogel diese Bildungsreise etwa, wenn McGregor Hitler im VW-Käfer vorstellt und daneben deutsche Wertarbeit und Erinnerungskultur preist. Unterhaltsam ist das allemal, versichert die Rezensentin, und ein schönes Beispiel für einen gelungenen Mix aus Nationalgeschichtsschreibung und Alltagskultur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.09.2015

Aktuell gibt es keine bessere kulturhistorische Einführung in die deutsche Geschichte, schwärmt Rezensent Jens Bisky nach der Lektüre von Neil MacGregors Werk. Nicht nur die reichhaltige Bebilderung, sondern auch der angenehm leichthändige Erzählton des Kurators und Germanisten nehmen den Kritiker schnell gefangen: Mit Bewunderung stellt er fest, wie es MacGregor gelingt anhand von Kunstwerken, Geldscheinen, Bauten, Bierkrügen und vielen weiteren Artefakten deutsche Geschichte zu vergegenwärtigen, dabei Künstler wie Käthe Kollwitz oder Ernst Barlach mitreißend zu porträtieren und nicht zuletzt kontroverse Fragen zum Umgang mit deutscher Geschichte zu stellen. Großartig, wie der Autor in zahlreichen pointierten Formulierungen etwa den deutschen "Sonderweg" darstellt, findet der Rezensent, der derart begeistert auch gern über die ein oder andere nicht zu Ende erzählte Geschichte, fehlende Lebensläufe und gelegentliche, den Lesefluss störende Zitate hinwegsieht.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.09.2015

Rezensentin Hannah Lühmann wird nicht schlau aus diesem Buch, aber vielleicht ja mit ihm. Was der "Museumsmann" Neil MacGregor anhand von Objekten über Deutschland zu berichten hat, nimmt sie einerseits für den Autor ein, andererseits scheint sie der Umstand doch sehr zu verwirren, dass hier ein "Nichthistoriker" ohne klare Methode oder Richtung das Brandenburger Tor, den Teutoburger Wald, Kuckucksuhren oder Quedlinburger Münzen "wie Handpuppen" auftreten lässt, um der deutschen Seele näherzukommen. Immerhin fließt aktuelle Kulturpolitik ein, räumt Lühmann ein, der Leser lernt etwas. Und das Eigene aus fremder Perspektive erzählt zu bekommen, rührt die Rezensentin doch sehr.