Manfred Hildermeier

Geschichte Russlands

Vom Mittelalter bis zur Oktoberrevolution
Cover: Geschichte Russlands
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406645518
Gebunden, 1504 Seiten, 49,95 EUR

Klappentext

Nach seiner großen Geschichte der Sowjetunion, die 1998 erschien und als Standardwerk gilt, legt der renommierte Historiker Manfred Hildermeier nun eine Gesamtdarstellung der Russischen Geschichte vor, die im Mittelalter einsetzt und dort endet, wo der vorangegangene Band beginnt. Politik und Herrschaftsordnung, soziale Verfassung, Wirtschaft, Industrie und Handel sowie die materielle und geistige Kultur bilden dabei die zentralen Achsen. Der rote Faden des Werkes ist das Verhältnis zu Europa, aus dem sich auch die klare These ergibt: Vor Ausbruch des Weltkriegs gehörte Russland so eng zu Europa wie nie zuvor. Erst die Sowjetunion hat dies geändert - und ihr Zusammenbruch die alte Schicksalsfrage Russlands wieder auf die Tagesordnung gesetzt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.07.2013

Rezensent Martin Schulze Wessel hat Manfred Hildermeiers "Geschichte Russlands" mit Gewinn gelesen. Erfreut stellt der Kritiker fest, dass seit langer Zeit endlich wieder eine umfassende Gesamtdarstellung der Geschichte Russlands geschrieben wurde. Am Leitmotiv der Rückständigkeit erörtere Hildermeier die Geschichte bis 1917, wobei den Rezensenten insbesondere die Erläuterungen strukturgeschichtlicher Fragen interessiert haben - etwa ob in Russland von einer Gesellschaftsentwicklung eigenen Typus' zu sprechen sei. Allerdings sieht der Kritiker einige wenige, aber wichtige Informationen ausgeblendet: So vermisst er etwa die Geschichte der Muslime, die auch im europäischen Russland siedelten. Nichtsdestotrotz: Ein sehr lesenswertes, erkenntnisreiches und im besten Sinne "unzeitgemäßes" Buch, lobt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.06.2013

Als neuen Standard bezeichnet Ulrich M. Schmid Manfred Hildermeiers "Geschichte Russlands". Nicht nur durch seine epische Anlage scheint ihm das Buch Maßstäbe zu setzen, auch durch seinen totalisierenden Zugriff, der Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Religion und ihre Beziehungen untereinander umfasst. Dass Hildermeier das Vielvölkerproblem stiefmütterlich behandelt, hält der Rezensent zwar für eine Beschränkung: Der Fokus auf dem europäischen Russland verschafft ihm jedoch die Chance, vermittels der sorfältigen statistischen Arbeit des Autors und der im Buch enthaltenen Karten der inneren Struktur Russlands auf die Schliche zu kommen, dem Gang der Ständegesellschaft oder dem Nationaleinkommen etwa. Die Anschaulichkeit der Arbeit rührt für den Rezensenten nicht zuletzt daher, dass der Autor der zusammenfassenden Rückschau den Vorzug gibt vor der Chronologie der Fakten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2013

Hier schreibt Koryphäe über Koryphäe, denn Andreas Kappeler, der Rezensent dieses monumentalen Werks, ist selbst Russlandhistoriker, allerdings mit anderen Schwerpunkten als Hildermeier, was in den kritischen Anmerkungen zu dem Buch auch zum Ausdruck kommt. Insgesamt ist Kappelers ausführliche Rezension allerdings überaus positiv. Er geht die einzelnen Kapitel und Aspekte durch, verweist auf Hildermeiers Schwerpunktsetzung, die den drei letzten Jahrhunderten wesentlich mehr Gewicht zumisst als etwa dem Mittelalter, und betont, dass Hildermeier von Verzerrungen der einstigen sowjetischen Geschichtsschreibung ebenso weit entfernt ist wie von dem Kalten-Kriegs-Pendant auf westlicher Seite. Zwei wichtige Kritikpunkte macht Kappeler allerdings aus: Ihm fehlt in den 1.500 Seiten erstens eine Auseinandersetzung mit der Historiografie des Themas, und zweitens bemängelt er recht scharf Hildermeiers entschieden "zentralistische und russozentrische" Perspektive, die die anderen Nationalitäten des Riesenreichs arg vernachlässigt und darum auch die für Russland konstitutive Spannung zwischen Zentrum und Peripherie nicht richtig erfasse. Dennoch betont Kappeler, dass sein Kollege höchste Maßstäbe setze.