Navid Kermani

Große Liebe

Roman
Cover: Große Liebe
Carl Hanser Verlag, München 2014
ISBN 9783446244740
Gebunden, 224 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Das erste Mal hat er mit fünfzehn geliebt und seitdem nie wieder so groß: Im Laufe von wenigen, viel zu wenigen Tagen erlebt ein Junge alle Extreme der Verliebtheit, vom ersten Kuss bis zur endgültigen Abweisung. Im Mikrokosmos eines Gymnasiums Anfang der 80er Jahre und vor dem Hintergrund der westdeutschen Friedensmärsche führt Navid Kermani das zeitlose Schauspiel der Liebe in ihrer ganzen Majestät und Lächerlichkeit vor. Die Schilderung der ersten Blicke, Berührungen und Abschiedsbriefe verknüpft er mit den Erzählungen der arabisch-persischen Liebesmystik. Für den Leser öffnet sich ein Gang durch irdische und göttliche Seelenlandschaften, der fast unbemerkt Kulturen und Jahrhunderte überbrückt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2014

Kein schlechter Versuch, der eigenen Liebesunfähigkeit zu entkommen, findet Michael Braun. Für den Leser aber hält Navid Kermanis Roman noch weitere Genüsse bereit, versichert der Rezensent. Etwa die Verbindung von Liebesleid Wertherscher Pathosseligkeit mit mittelalterlicher Mystik und westdeutschem Kleinstadtmief anno 1983. Was Kermani aus dieser Mixtur herausholt, scheint für Braun die autobiografischen Momente des Textes locker zu transzendieren hin zu artistischem Raffinement und einer veritablen Soziologie der Liebe. Das Drama des Erzählers tritt dahinter für Braun zurück.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.03.2014

Leser des neuen Romans "Große Liebe" von Navid Kermani brauchen vor allem Geduld, meint Rezensentin Fatma Aydemir. Zum einen liegt das an der äußerst manieristischen Sprache des Erzählers, der hier von seiner ersten großen Liebe im Alter von 15 Jahren erzählt und diese stets in den Zusammenhang mit anderen Liebenden und Liebesdichtern des letzten Jahrtausends stellt. So erfreut sich die Kritikerin zwar an schönen Zitaten der islamischen Liebesmystiker Ibn Arabi und Baha-e Walad, lobt auch, dass sie zu einer alternativen Lesart des Islams beitragen, muss aber bald feststellen, dass sie allzu häufig gesetzt sind und es ihnen auch an Relevanz für die Geschichte mangelt. Der Roman erscheint ihr zunehmend als "Battle der Stereotype", der zwischen islamischer Mystik und westdeutscher Friedensbewegung hin- und herwandert. Nichtsdestoweniger fühlt sich Aydemir während der Lektüre gut unterhalten und lobt darüber hinaus den gelungenen Schluss des Romans.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2014

Das Buch sei kein Groschenheft, gibt Wiebke Porombka Entwarnung. Auch wenn ihr der Ton mitunter groschenheftartig leise ironisch stöhnend vorkommt. Die Frage, warum Navid Kermani ein Buch schreibt, in dem es um die Erinnerung an eine Liebe mit 15 geht, interessiert die Rezensentin am meisten. Um das friedensbewegte Klima der 80er kann es doch nicht gehen, mutmaßt sie. Und der typische Coming-of-Age-Roman ist es auch nicht. Könnte es sein, dass es allein um die Erkundung eines Ausnahmegefühls geht, das der Autor zudem mit islamischer Liebesmystik abgleicht? Porombka kommt schließlich dahinter. Als Versuch, sich dem eigenen flügge werdenden 15-jährigen Sohn anzunähern, scheint ihr der Text eine wundervolle Reflexion zu sein, nicht so sehr über die Liebe, doch über den Verlust. Kleinere Opulenzen und sprachliche Ausrutscher verzeiht sie dem Autor.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.02.2014

In seinem Roman "Große Liebe" ergründet Navid Kermani die überschwängliche erste Liebe, die zwar von tieferen und längeren gefolgt sein mag, aber doch immer die große bleiben wird, berichtet Meike Fessmann. Dabei führt Kermanis Erzählweise, "genau in der Waage zwischen Pathos und Lakonie", immer wieder zu philosophischen Fragen über das Wesen der Liebe, die der Orientalist mit Zitaten aus der und Anspielungen auf die Mystik der arabischen und persischen Tradition anreichert, was der Rezensentin zufolge so gut funktioniert, dass die Fragmente wie der "Missing Link" des heutigen westlichen Liebesdiskurses wirken. Die Religion hat zu Liebe und Sexualität mehr zu bieten als Konvention und Prüderie, stellt Fessmann fest.
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