Navid Kermani

Ausnahmezustand

Reisen in eine beunruhigte Welt
Cover: Ausnahmezustand
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406646645
Gebunden, 253 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Man könnte ihn die Welt hinter Lampedusa nennen: den Krisengürtel, der sich von Kaschmir über Pakistan, Afghanistan und Iran bis in die Arabische Welt und bis an die Grenzen und Küsten Europas erstreckt. Navid Kermani hat die Orte besucht, an denen keine Übertragungswagen von CNN stehen und dennoch hoch gefährliche Schwelbrände den Weltfrieden bedrohen. In seiner oft gerühmten, wundersam beweglichen und behutsamen Prosa berichtet er von den Kriegen der NATO und den Schattenseiten der Globalisierung in Indien, vom Aufstand in Syrien und der prekären Lage in Palästina. Er war als einziger westlicher Reporter bei der Niederschlagung der Massenproteste in Teheran dabei und hat die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer beobachtet. Seine mitreißenden Reportagen lassen uns eine Welt im Aufruhr verstehen, lassen uns mitfiebern, mitleiden, aber auch den Alltag und das scheinbar Nebensächliche sehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2013

Zwei Dinge stören den Rezensenten an den nun als Buch vorliegenden Zeitungsreportagen Navid Kermanis aus den Krisengebieten der Welt, aus Afghanistan, Syrien, Kaschmir etc. Zum einen fügen sich die Texte nicht zu einem Ganzen, so lesenswert und mitreißend Kermanis Berichte für Christoph Erhardt auch sind. Zum anderen leiden sie unter dem Verfallsdatum aller aktuellen Reportagen. Die beim Rezensenten auftauchende Frage, wie die Situation jeweils derzeit ist, ob sich die schlaglichtartig vom Autor beleuchteten Konflikte gelöst oder verschärft haben, kann der Band nicht beantworten. Besonders erhellend scheinen ihm die Texte immer dann, wenn Kermani seine Beobachtungen nicht kommentiert, sondern für sich sprechen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2013

Tief beeindruckt zeigt sich Angelika Overath von Navid Kermanis Reportagen aus den Jahren 2006 bis 2012. Was der Schriftsteller und Orientalist in Kaschmir, Syrien, Gaza oder bei den Taliban erlebt und reflektiert, scheint ihr geprägt von kindlicher Neugier und Professionalität gleichermaßen, kreisend um die Frage, warum der Mensch gewalttätig wird. Overath erfährt sowohl von prekären Zuständen der Normalität als auch von Momenten friedlichen Nebeneinanders von Kulturen und Religionen. Und immer wieder zeigt ihr der Autor das Wunder des nackten Lebens, staunend und mit emphatischer Aufmerksamkeit. Und Overath staunt und wird aufmerksam.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.03.2013

Navid Kermanis Reportagenband "Ausnahmezustand" hat den Rezensenten Jannis Hagmann sichtlich beeindruckt. Die zehn Reportagen aus Krisenregionen vom indischen Kaschmir bis in die arabische Welt beanspruchen seines Erachtens nicht, brandaktuell zu sein. Ihre Stärke sieht Hagmann auch vielmehr in ihren präzisen Beobachtungen. So attestiert er dem Autor, die politischen Auseinandersetzungen in den unterschiedlichen Regionen nicht mit Hilfe von angelesenem Wissen zu erklären, sondern anhand von genau und differenziert geschilderten Alltagsszenen und zwischenmenschlichen Begegnungen verständlich zu machen. Lobend hebt er zudem Kermanis Bescheidenheit, die seine Reportagen wohltuend von den Büchern eines Scholl-Latour unterscheidet. Sie zeichnen sich für Hagmann durch ihre Sensibilität und ihre Empathie für die Menschen und ihre Lebenswelt sowie durch ihre selbstreflexive und manchmal selbstkritische Haltung aus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.02.2013

Ungewöhnlich in vielerlei Hinsicht findet Tim Neshitov Navid Kermanis hier erstmals in Buchform vorliegende Kriegsreportagen aus Syrien, Afghanistan oder Gaza. Erstens, meint Neshitov, ist Kermani Islamwissenschaftler und Muslim, zweitens kann er in wenigen Sätzen sehr viel erzählen, drittens schreibt er bewusst sehr subjektiv und mit sich selbst als Protagonisten und viertens ergreift er Partei. Nacheinander gelesen wirken die Reportagen auf den Rezensenten zwar wie eine etwas bemühte chronologische und geografische Mischung. Gut recherchiert und einfühlsam erscheinen sie ihm aber allemal. Und sie vermitteln dem Rezensenten, wie Gewalt entsteht.
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