Najem Wali

Reise in das Herz des Feindes

Ein Iraker in Israel
Cover: Reise in das Herz des Feindes
Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 9783446233027
Kartoniert, 240 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Imke Ahlf-Wien. Israel - das ist für seine arabischen Nachbarn der Feind schlechthin. Als ketzerisch gilt, wer andere Ansichten vertritt oder gar ins "Land des Feindes" reist. Najem Wali wagt es, dieses Tabu zu brechen, und erkundet in einer politisch brisanten Reise die erstaunlichen Gemeinsamkeiten zwischen seinem Heimatland Irak und dem Staat der Juden. Von Jerusalem bis Haifa, von Nazareth bis zum Golan begegnet Wali Dichtern, Intellektuellen und Politikern, aber auch den Menschen auf der Straße. Gemeinsam hoffen sie auf Frieden und Dialog im Nahost-Konflikt. Ein einmaliges Dokument arabischer Selbstkritik und ein beherztes Plädoyer für Demokratie und Frieden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.10.2009

Mit Lob und Tadel zu gleichen Teilen bedenkt Rezensentin Petra Steinberger dieses Buch über Israel, das Najem Walis vorgelegt hat. Nur begrüßen kann sie die Idee, dass ein irakische Autor, ein Araber, in das Land reist, das für die arabische Welt das Böse schlechthin symbolisiert, und sich ganz offen, neugierig, ja begeistert darauf einlässt. Sie bewundert Walis Mut und verleiht ihrer Hoffnung Ausdruck, dass auch andere arabische Intellektuelle seinem Beispiel folgen mögen. Allerdings scheint ihr Walis fast ein wenig des Guten zu viel zu wollen, wenn Israel in seiner Beschreibung geradezu zur "positiven Utopie" wird. Sie hält dem Autor vor, Teile der Realität auszublenden, etwa die Diskriminierung von Arabern in Israel, die Besatzung, den Militarismus. "Es fehlt dem Autor die Distanz zu seinem Sujet", resümiert Steinberger, "ein wenig Tadel hätte nicht geschadet".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2009

Als ungewöhnliches, ja "herausragendes Werk" lobt Rezensentin Irene Binal das Buch des irakischen Schriftstellers über Israel, das ihren Informationen zufolge nach einer Reise zu einer Irak-Konferenz in Haifa entstand. Nicht nur die Tatsache, dass Najem Wali Feindschaften ignoriert und in vielerlei Hinsicht Grenzen überschreitet, auch sein Versuch, die langen gemeinsamen Traditionen von Arabern und Juden zu thematisieren und Brücken zu schlagen, imponieren der Rezensentin.  Besonders berührt sie Walis Suche nach der israelischen Identität, in deren Verlauf er auch auf verschüttete Reste seiner eigenen irakischen Identität stößt, Traditionen, die von irakisch-jüdischen Einwanderern in Israel gepflegt werden, die im Irak selbst während des Regimes von Saddam längst untergingen. Kritik muss allerdings der Verlag für die Aufmachung des Buchs einstecken, das auf die Rezensentin "wie ein billiger Reiseführer" wirkt, womit dem Buch aus ihrer Sicht bitteres Unrecht geschieht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2009

Über die blumige, ein wenig zu Schwülstigkeiten neigende Ausdrucksweise muss man hinweg lesen, rät Klaus Bittermann, dann kann man aus dem Buch des 1956 im irakischen Basra geborenen und in Berlin lebenden Autors einen überraschenden Lektüregewinn ziehen. Seine Reise nach Israel hat Najem Wali unter der Prämisse angetreten, die dort lebenden Glaubens-, Lebens- und Flüchtlingsgemeinschaften auf ihre Demokratietauglichkeit hin zu prüfen, die sich für den Autor vor allem in der Wahrung von Minderheitsrechten ausdrückt, so Bittermann. Walis Erfahrungen mit Juden und Arabern sind zwar nicht ausschließlich positiv, aber es gibt auch hoffnungsvolle Ansätze wie in Haifa, wo das integrative Zusammenleben offiziell von der Stadtverwaltung gefördert wird oder in der Kleinstadt Abu Gosh, wo sich die arabische Bevölkerung während der palästinensischen Belagerung 1948 für eine Koexistenz mit den jüdischen Mitbürgern entschieden hat, von der heute auch wirtschaftlich beide Seiten profitieren. Das ist immerhin mehr, als in den arabischen Nachbarstaaten zu erwarten ist, die nach Auffassung des Autors durch ihren Glaubensfundamentalismus einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten entgegenstehen. Obwohl der Rezensent diese Einsicht selbst offenbar schon länger teilt, schätzt er den unideologischen und episch-erzählerischen Zugang Walis.
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