Nadine Gordimer

Ein Mann von der Straße

Roman
Berlin Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783827000057
Gebunden, 273 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Heidi Zerning. Julie ist eine Tochter aus wohlhabendem Hause. Sie lebt und arbeitet in Johannesburg. Als ihr Wagen mitten im Verkehr der Großstadt den Geist aufgibt, lernt sie einen hilfsbereiten Mechaniker kennen. Er ist ein Mann, der sich illegal in Südafrika aufhält. Die beiden verlieben sich ineinander. Als er ausgewiesen wird, folgt sie ihm in sein Heimatland.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.07.2002

Den neuen Roman der südafrikanischen Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer findet Aimee Torre Brons "tiefgründig, poetisch und überraschend". Erzählt werde, berichtet die Rezensentin, eine Geschichte, in der es um "Mut, Verzweiflung, Trauer, Unsicherheit und Glück" geht. Der Roman handle von der weißen und wohlhabenden Julie und dem schwarzen und armen Abdu, die sich in Kapstadt begegnen, sich ineinander verlieben, bei seiner Ausweisung gemeinsam in sein Land reisen und dort feststellen, dass sie doch verschiedene Wege gehen müssen, verrät Brons über den Inhalt. Gordimer ist mit dieser Konstruktion "ein Kunststück" gelungen, lobt die Rezensentin. Aus einer Migrationsgeschichte werden zwei Geschichten, die sich gegenseitig durch den Wechsel der Perspektiven "erhellen" und "erklären", meint Brons.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.02.2002

Eigentlich, hat man den Eindruck, ließe sich der neue Roman der Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer für den Rezensenten Stephan Maus in einem kurzen Absatz erledigen. Er hält ihn für eine ästhetische Bankrotterklärung, für "bemüht zusammengeschraubt", er spricht von "psychologischen Scherenschnitten", einer "kitschigen Selbstfindungsodyssee" und sieht in dem Roman ein "wackeliges Gesellenstück lebloser Plot- Mechanik". Die Geschichte ist, so Maus, reine Kolportage: Junge südafrikanische PR-Frau verliebt sich in den Migranten Abdu, heiratet ihn, als er abgeschoben wird und geht mit ihm in sein Heimatdorf, in dem die strengen Regeln des Islam herrschen. Dort findet sie, um noch einmal den Rezensenten zu zitieren, zu "staubiger, aber existenzieller Eigentlichkeit". Warum die Heldin das mitmacht, da Abdu sich rasch als "egoistischer, charakterloser Wirtschaftsflüchtling" entpuppt, findet Maus wie so vieles in diesem Roman nicht erklärlich. Unbegreiflicher noch ist ihm nach der Lektüre die einstige Entscheidung des Nobelpreiskomittees.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2001

Angela Schader zeigt sich in ihrer Besprechung etwas irritiert über den neuen Roman der Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer. Die hehre Auszeichnung hat die Schriftstellerin schließlich für ihren entschlossenen Kampf gegen politische und soziale Ungerechtigkeit erhalten. Die Liebesgeschichte zwischen der reichen weißen, aus der südafrikanischen Oberschicht stammenden, aber trotzdem progressiven Julie und dem armen Kfz-Mechaniker Ibrahim ibn Musa, der, arabischer Abstammung, illegal in Johannesburg lebt, verortet die Rezensentin auf Messers Schneide zwischen geschmacklosem Kitsch und ironischer Abgeklärtheit. Der Text sei zwar sicher und leicht geschrieben, aber zu glatt, denkt Schader. "Ein Mann von der Straße" erinnert sie an ein "emanzipatorisches Märchen aus Tausendundeiner Nacht", das ob seiner Mischung aus Naivität und Hintergründigkeit für Schader nicht ganz leicht verdaulich war.