Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Schellfisch wächst an der Küste auf; zweitausend Bewohner zählt der Ort im Winter, im Sommer kommen ein paar Hundert Urlauber dazu. Doch anders als den Ausflüglern und Touristen tun sich für Schellfisch nach der Schule nur zwei Perspektiven auf: im Stahlwerk zu schuften oder im Vertriebszentrum zu versauern - wie Schellfischs Mutter. Die trägt schwarzen Lippenstift und ernährt Schellfisch mit den Fischstäbchen, die ihre Liebhaber in der Tiefkühltruhe vergessen. Schellfisch wird zum Müllaufsammeln in den Dünen verdonnert und färbt sich die Haare blau. Wenn man für andere unsichtbar ist, kann man aussehen, wie man will, und braucht auch keine Pronomen. Doch insgeheim wünscht sich Schellfisch, beachtet zu werden und aus diesem Leben auszubrechen. Mit Duncan, der im Hospiz die Medikamente der Verstorbenen mitgehen lässt, Céline, die auch im Hochsommer Pelzmantel trägt, und Jeremy, der sich die Schneidezähne hat spitz feilen lassen, bildet Schellfisch eine eingeschworene Truppe - bis Schellfisch eines Tages zu weit geht. Aber auch ohne die Freunde und mit einer frischen Narbe im Gesicht denkt Schellfisch gar nicht erst daran zu kapitulieren, sondern sucht sich einen neuen Platz in der Welt.
Rezensent Samuel Hamen ist schwer enttäuscht von diesem Roman von Nadia de Vries. Die humorischen Mittel des Schelmenromans und ein bisschen Sozialkritik ergeben im Buch laut Hamen leider keinen Mehrwert, finden nicht auf produktive, die Geschichte zuspitzende Weise zusammen. Noch bedauerlicher erscheint Hamen, dass die Hauptfigur, ein perspektivlos in Armut lebender Kleinstädter, der alle Erniedrigungen durch "stupides Weitermachen" abschüttelt, den Leser nicht wirklich rührt. Anders als in den Filmen Kaurismäkis, der seinen Figuren mit Wärme begegnet, wird das Prekariat bei de Vries effektvoll inszeniert, bleibt aber "literarisch ungehört", erklärt Hamen seine Kritik.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…