Nada Chekh

Eine Blume ohne Wurzeln

Wie ich Selbstbestimmung zwischen Doppelleben und Doppelmoral fand.
Cover: Eine Blume ohne Wurzeln
Haymon Verlag, Innsbruck 2023
ISBN 9783709981450
Gebunden, 224 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Zwischen Wiener Gemeindebau und rigiden Rollenbildern: Nada Chekh wuchs im Wiener Gemeindebau auf. Zwischen den moralischen Vorstellungen und Werten ihrer Eltern, "ihrer Community" und unter den kritischen Blicken jener, zu denen sie gehören will, zu denen sie eigentlich auch gehört. Aber Zugehörigkeit ist so viel mehr als nur ein Wort. Und schwer zu finden, wenn man in mehreren Welten aufwächst. Und dann sind da noch die eigenen Wünsche und die Bedürfnisse, das Leben selbst zu gestalten. Denn schon früh beginnt in ihr der Wunsch nach Selbstbestimmung und die Wut darauf, nach den unnachgiebigen Normen anderer leben zu müssen. Nada Chekh erzählt von der Kluft, die sich zwischen Menschen öffnet, wenn Ansprüche nicht übereinstimmen. Von der Distanz zu jenen, die sie verstehen sollten, es aber nicht können. Vom Schmerz, der entsteht und nach einem Ventil sucht. Und sie erzählt von Beobachtung und Überwachung, davon, wie es sich anfühlt, stets unverschuldet eine Rechtfertigung für das eigene Handeln parat haben zu müssen. Eine Geschichte, die weit über das Persönliche hinausgeht. Diese Geschichte beginnt in Österreich, aber eigentlich schon viel früher: nämlich im Konflikt und mit dem Trauma jener, die in 1. Generation Kinder in einem Land großziehen, das strukturell für andere errichtet wurde. Der Vater aus Palästina, die Mutter aus Ägypten. Beide haben die inhärente Ablehnung, die von der weißen Mehrheitsgesellschaft ausgehen kann, erfahren. Die Autorin fragt nach: Was prallt da eigentlich aufeinander? Ideen, Überzeugungen, Kulturen - oder auch Ängste und Erfahrungen? Wie viel hat das alles mit dem Patriarchat zu tun? Mit geschlechterspezifischer Doppelmoral und stereotypen Vorurteilen, die auf allen Seiten immer noch vorherrschen? Wie können Liebe und Fürsorge füreinander - für sich selbst - mit Regeln und Grenzen koexistieren?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.01.2024

Sehr bewegt liest Rezensentin Lara Sielmann dieses autobiografische Debüt der österreichischen Journalistin Nada Chekh, die vom Aufwachsen in einem muslimisch-konservativen Elternhaus erzählt. Die Mutter stammt aus Ägypten, der Vater, in Palästina geboren, durfte nach dem Terroranschlag bei den Olympischen Spielen 1972 sein Medizinstudium in Deutschland nicht beginnen und lebte bis zur Rente als Krankenpfleger in Österreich, erfahren wir. Davon erzählt Chekh ebenso wie von den strikten Vorschriften der Eltern, die sie schließlich in Depression und Selbstverletzung treiben, resümiert Sielmann. Dennoch gerät dieser Coming-of-Age-Roman nie zur "Abrechnung", vielmehr liest die Kritikerin von einem gefühlvoll erzählten Befreiungsschlag.

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