Aus dem Englischen von Claudia Buchholtz und Bettina Seifried. Feminismus und Geschlechterpolitik in Deutschland unterscheiden sich deutlich von ihren Pendants in den USA und in Großbritannien: Während dort Forderungen dominieren, die am liberalen Individualismus und am Ideal gleicher Rechte orientiert sind, stehen in Deutschland soziale Gerechtigkeit und staatliche Verantwortung im Vordergrund. Diese aus einer sozialdemokratischen Tradition herrührenden Aspekte sind hierzulande zudem häufig mit konservativchristlichen Elementen verbunden, die patriarchalische Autorität und den Wert der Familie betonen.
Myra Marx Ferree zeichnet in ihrem neuen Buch ein Panorama der modernen Frauenbewegungen in Deutschland, den USA und im globalen Kontext. Sie führt anschaulich vor Augen, dass historisch gewachsene politische Rahmenbedingungen bis heute eine große Rolle für die unterschiedliche Entwicklung der Geschlechterpolitik in Deutschland und den USA spielen. Damit wirft sie die Frage auf, was heute - in Europa und darüber hinaus - überhaupt "feministisch" ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2018
Petra Gehring erkennt schon den Klassiker von morgen in Myra Marx Ferrees Vergleich der Feminismen in den USA und in Deutschland (Ost wie West). Die Kontrastbilder zwischen "Rasse", "Klasse" und "Geschlecht" oder auch "liberal", "autonom" und "radikal", die die Soziologin laut Rezensentin mit viel Material, Kenntnis, Mut zur These und überdies gut lesbar schafft, bieten Gehring zufolge Einsichten für aktuelle feministische Debatten. Dass die Energie des US-Feminismus in der allgemeinen Bewegung für soziale Gerechtigkeit aufging und das deutsche Gegenstück vor allem dank der Ost-Feministinnen prosperierte, kann die Autorin der Rezensentin plausibel vermitteln.
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