Sport spielt seit der Wende zum 20. Jahrhundert immer wieder eine wichtige Rolle für feministische Kämpfe. Dieser einführende Band liefert erstmals einen Überblick über historische Debatten und aktuelle Kontroversen rund um Sport und Geschlecht. Er erklärt, warum es solche Verbindungen zwischen Feminismus und Sport jeweils gab und was sich daraus sowohl über geschlechterpolitische Kämpfe als auch sportliche Praxen der jeweiligen Zeit lernen lässt: - von den Radfahrerinnen der Jahrhundertwende über das "Sports Girl" der 1920er-Jahre bis zur Infragestellung des zweigeschlechtlich organisierten Spitzensports durch Transsportler:innendiskussionen der Gegenwart; - von der Kritik der Neuen Frauenbewegung an weiblicher Unsichtbarkeit, Unterrepräsentation und männlicher Norm im Sport bis zu aktivistischen kollektiven Kämpfen von Spitzensportler:innen gegen patriarchale Verbandsstrukturen nach MeToo; - von der Geschlechterdekonstruktion des Third Wave Feminism zur emanzipativ-identitätspolitischen Besetzung und symbolischen Aufladung ehemaliger sportlicher Männerdomänen wie jener des Fußballs.Der Band enthält zentrale historische Originaltexte - u.a. von Judith Butler und M. Ann Hall - sowie aktuelle Beiträge von Autor:innen aus Disziplinen wie Gender Studies, Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Sportwissenschaft.
Dass Frauensport älter ist als der Feminismus, weiß Rezensent Martin Krauss und liest den von Petra Sturm und Georg Spitaler herausgegebenen Band dennoch mit großen Interesse und Gewinn. Verdienstvoll findet er den Band schon seiner vielen Quellenfunde wegen. Die Autoren entdecken laut Krauss "Sportliches" in feministischen Debatten, angefangen mit den 1890ern über einen erstmals übersetzten Text von Judith Butler aus dem Jahr 1998 bis zu den aktuellen Geschlechterdebatten. Frauenturnkleidung, Frauensport in der DDR, Transfeminismus sind weitere Themen, mit denen sich die theoretischen Beiträge befassen, die Sturm/Spitaler entdeckt haben. Für Krauss ungemein informativ, auch wenn der Blick auf die weibliche Sportpraxis vor 1890, also ohne feministische Fragestellung auch jede Menge Erkenntnisse birgt, wie er glaubt.
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