Die Autorin spannt einen Bogen von den frühen Auseinandersetzungen im SDS über den Kampf gegen den §218 bis zu aktuellen Fragen im Zeitalter von Gentechnologie und Reproduktionsmedizin. Dabei folgt sie der These, dass, so berechtigt die feministische Kritik in großen Teilen auch gewesen sein mag, die Frauenbewegung oft nicht einmal in der Theorie Ort von Emanzipation gewesen ist. Vielmehr hat sie zur Modernisierung der postfaschistischen Gesellschaft beigetragen und den Frauen endgültig den Status bürgerlicher Subjekte verliehen. Einstmals auf das Private beschränkt, müssen nun auch sie als Arbeitskraftbehälter funktionieren und sich gleichzeitig einer rigiden Selbstdisziplin unterwerfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.08.2002
Dieses Buch ist offenbar vor allem eines: eine Abrechnung mit der Frauenbewegung seit 1968 aus radikal linker Perspektive. Mit ihrem theoretischen Hauptgewährsmann Michel Foucault erklärt Andrea Trumann alles reformistische Streben nach Verbesserungen der Situation der Frauen schlicht zu staatlicher Bevölkerungspolitik mit anderen Mitteln. Das Ziel vor-foucauldianischer Theorie, "Selbstbestimmung" durch "Subjektwerdung", produziere immer weiter nichts als "Biomacht", also - vereinfacht gesagt - strukturelle Unterdrückung und freiwillige Einordnung ins kapitalistische System. Der Rezensent Jens Kastner ist bemüht, die Argumente der Polemik fair wiederzugeben, führt jedoch den standardliberalen Einwand ins Feld, dass die nicht unbeträchtlichen Erfolge aus dieser Perspektive völlig aus dem Blick geraten. Eher dubios findet er zudem das Staatsverständnis der Autorin, denn hier falle sie hinter Foucault zurück. Der Staat erscheine bei ihr in erster Linie wieder als "Repressionsinstitution" und nicht, wie in Foucaults subtilerer Analyse, als "Knotenpunkt verschiedener Herrschaftstechniken".
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich…