Miriam Gebhardt

Alice im Niemandsland

Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor
Cover: Alice im Niemandsland
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2012
ISBN 9783421044112
Gebunden, 352 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Die deutsche Frauenbewegung war einmal vielstimmig, aufregend und international führend. Doch inzwischen ist der deutsche Feminismus programmatisch unbedeutend, organisatorisch unsichtbar und zusammengeschrumpft auf eine Medienfigur - Alice Schwarzer. Jede gesellschaftspolitische Frage, sei es die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Frauenquote, findet seit Jahrzehnten nur eine einzige feministische Antwort, nämlich "die Antwort" von Schwarzer. Mit ihrer ideologischen Unbeweglichkeit hat sie viele Frauen der Bewegung, die eigentlich für ihre Rechte streiten sollte, entfremdet. Kaum eine junge Frau will sich heute noch Feministin nennen, obwohl Deutschland bei der Verwirklichung der Gleichberechtigung in vielen Bereichen Schlusslicht ist. Zum 70. Geburtstag Alice Schwarzers wagt Miriam Gebhardt eine kritische Auseinandersetzung mit der Übermutter des deutschen Feminismus und zeigt, warum es für die Frauenbewegung höchste Zeit ist, sich neuen Themen und neuen Persönlichkeiten zuzuwenden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012

Barbara Gärtner ist genervt von der wohlfeilen Kritik an Alice Schwarzer, und auch Miriam Gebhardts "kalkuliert krawallige" Abrechnung zu Schwarzers siebzigstem Geburtstag entlockt ihr kaum Sympathien. Mag ja sein, dass Schwarzer nicht die perfekte Feministin ist, dass sie den Schweinwerfer sucht, rechthaberisch ist und noch immer die Kämpfe der siebziger Jahre austrägt. Aber vielleicht, gibt Gärtner zu Bedenken, liegt dies auch daran, dass die Schlachten noch immer nicht gewonnen sind. Schwarzer vorzuwerfen, dass es außer ihr keine Feministin zu solcher Prominenz gebracht hat, dass es keine Nachfolgerinnen oder würdige Rivalinnen gibt, grenze an Lächerlichkeit. Gerhardt leiste sich einige "Grobe Fouls" gegen Schwarzer meint die Rezensentin, die allerdings positiv honoriert, wie die Historikerin Gebhardt die Frauenbewegung geschichtlich einordnet. Hier schreibe sie fundiert und unterhaltsam.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2012

Miriam Gebhardts "Alice im Niemandsland" liest sich ein wenig wie eine Abrechnung mit Alice Schwarzer, findet Andrea Roedig. Darin wirft die Autorin der deutschen Frauenbewegung "Rückständigkeit, Theorieferne" und "Verknöcherung" vor und macht - zumindest teilweise - Schwarzers dominante Rolle mit dafür verantwortlich, berichtet die Rezensentin. In großen Teilen findet Roedig das Buch kompetent und interessant: Gebhardt versucht, für einen vielstimmigen Feminismus zu argumentieren, der sich ihr zufolge von der Ausschließlichkeit der beiden Parolen "Gleichheit!" und "Differenz!" genauso emanzipieren muss, wie von gesellschaftlicher Ungerechtigkeit. Entlang dieser zwei Positionen versucht sie sich historisch den Strukturen zu nähern, die einem Fortschritt des Feminismus im Weg stehen, fasst die Rezensentin zusammen. Nur das erste Kapitel hat Roedig wirklich geärgert. Darin polemisiert Gebhardt am stärksten gegen Schwarzer, und die Rezensentin verweist die Autorin auf deren eigene These: es kann dem Feminismus nur schaden, wenn er sich ewig an Schwarzer orientiert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.11.2012

Alice Schwarzer, die Anfang Dezember siebzig wird, dürfte Miriam Gebhardts Geschichte der deutschen Frauenbewegung "Alice im Niemandsland" nicht gerade als Geburtstagsgeschenk empfinden, aber Heide Oestreich stellt klar, dass Gebhardt nicht mit Alice Schwarzer abrechnet. Dass der deutsche Feminismus allein den Monolithen Schwarzer hervorgebracht hat, liege bestimmt auch an deren Persönlichkeit, referiert Oestreich Gebhardts Einschätzung, aber nicht nur. Denn im Gegensatz zu den deutschen Frauen haben die Amerikanerinnen intellektuelle Ikonen hervorgebracht, die auch Bündnisse mit anderen Bewegungen schließen konnten. Hierzulande blieben die Feministinnen unter sich und an der Uni. Diese Erkenntnis hält Gebhardt im Weiteren aber nicht davon ab, Schwarzer "Gleichheitsfeminismus" ordentlich auseinanderzunehmen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Ach, Alice. So mag sich die Autorin wieder einmal gesagt haben, als sie die Autobiografie von Alice Schwarzer gelesen hat. Und dann hat sich die Historikerin Miriam Gebhardt hingesetzt und hat ein Buch geschrieben, in dem sie Alice Schwarzer an ihre Verantwortung in Sachen Frauenbewegung erinnert. Heißt, sie hat die Frauenbewegung ganz genau analysiert und Schwarzers Rolle darin und ist zu dem Schluss gekommen, dass Schwarzer maßlos übertreibt, wenn sie sich zum Anstoß und Zentrum der Frauenbewegung stilisiert. Rezensentin Melanie Mühl listet die triftigen Einwände der Autorin dagegen auf. Respekt hat sie für Gebhardt schon darum übrig, weil die Autorin weder krawallig gegen Schwarzer ins Feld zieht, noch den Kontext aus den Augen verliert. Die These, dass Schwarzer mit ihrem unselbstkritischen Gebaren als Galionsfigur der Bewegung letztlich geschadet habe, kann die Autorin laut Rezensentin plausibel mit Argumenten stützen. Nur, meint Mühl, hat sie damit ein bisschen die Rechnung ohne die Wirtin gemacht. Mühl jedenfalls versteht das Buch auch als Aufruf an all die jungen Alphamädchen draußen, den Faden aufzunehmen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2012

Viel Gejammer, aber auch einige interessante Thesen hat Rezensentin Mariam Lau in Miriam Gebhardts Buch "Alice im Niemandsland" gelesen. Während der deutsche Feminismus ausschließlich aus Alice Schwarzer bestehe, die seit vier Jahrzehnten ihren "Privatobsessionen" nachgehe, habe die amerikanische Frauenbewegung so eindrucksvolle, redegewandte und "coole" Persönlichkeiten wie Joan Didion, Susan Sontag oder Naomi Wolf hervorgebracht, liest die Kritikerin hier. Gründe dafür sieht Gebhardt etwa in der in Deutschland vorherrschenden strikten Trennung zwischen Akademie und Journalismus, berichtet die Rezensentin: Didions Start bei der "Vogue" habe ihr beispielsweise erst ein größeres Publikum verschafft. Darüber hinaus erfährt die Rezensentin in dieser "wütenden" Gesamtschau der deutschen Frauenbewegung, dass auch der deutsche Feminismus endlich den Blick auf die Vielfalt "real existierender" Frauen richten müsse. Vielleicht hätte Gebhardt damit einfach anfangen sollen, statt sich an Alice Schwarzer abzuarbeiten?
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