Mostafa Danesch

Wer Allahs Wort missbraucht

Krisenherd islamische Welt.
Cover: Wer Allahs Wort missbraucht
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2002
ISBN 9783455093667
Gebunden, 304 Seiten, 231,90 EUR

Klappentext

Woher kommt der Hass moslemischer Fundamentalisten auf die westliche Welt? Wie ist der radikale Islamismus entstanden und welche Ziele verfolgt er? Wo sind weitere Konflikte und Bedrohungen für den Westen zu erwarten? Das sind einige der Fragen, mit denen sich Mostafa Danesch in diesem Buch auseinandersetzt. Er analysiert die Entwicklung der islamischen Welt und beleuchtet die Hintergründe der islamistischen Bedrohung. Das gut funktionierende Netz, das die Fundamentalisten geschaffen haben, um ihren Terror in die Welt zu tragen, ist nicht erst in den letzten Jahren entstanden, sondern das Ergebnis eines jahrzehntelangen Prozesses. Zusammengeführt und stark gemacht wurden diese radikalen Gruppierungen von Mächten, die dabei durch und durch eigennützige Interessen verfolgten, insbesondere von den USA, die nun mit allen Mitteln versuchen, dieses System wieder zu zerschlagen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.09.2003

Ashwin Raman hat wenig für dieses Buch übrig. Nichts Neues, teilweise falsch, zu unkritisch, und viel weniger, als der Untertitel "Krisenherd islamische Welt" suggeriere, sei dieses Buch von Mostafa Danesch. Der Autor konzentriere sich hauptsächlich auf Nordafghanistan und Kabul und nicht auf "die islamische Welt", wie angekündigt. Raman mokiert sich, dass die (sehr "westliche") Analyse über die Beziehungen zwischen den USA und den Taliban teilweise falsch sei, was an sich schon schlimm genug sei. Viel übler nimmt er dem Autor aber, dass dieser offensichtlich "zu oft Dostums Gastfreundschaft in Anspruch genommen hat", indem er die Grausamkeiten des berühmt-berüchtigten usbekischen Generals "unreflektiert" ausblende. Bei all den genannten Mängeln, hätte der Rezensent noch Gnade walten lassen, wären wenigstens die Beschreibungen des afghanischen Alltags aufschlussreich. Aber selbst das sei dem Autor nicht gelungen. Fazit: Nichts Neues und zu allem Überfluss auch noch ärgerlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2003

Auch nach dem Ende der Talibanherrschaft bleibt das danieder liegende Afghanistan ein Krisenherd. Das ruft der Journalist Mostafa Danesch nach Ansicht Rezensent Werner Adam mit "ebenso spannender wie beklemmender Anschaulichkeit" erneut in Erinnerung. Zu den "bewegendsten Schilderungen" in Daneschs "Wer Allahs Wort missbraucht" zählt für Adam ein kurzer Abriss der eigenen Familiengeschichte des im Iran geborenen Autors. Die daraus resultierende "nur allzu begreifliche" Abneigung gegen jede Art von Mullah-Herrschaft und islamischem Extremismus lasse den Autor allerdings zu teilweise fragwürdigen Schlussfolgerungen kommen. So ziehe Danesch beispielsweise nicht recht in Betracht, dass die Politisierung und Radikalisierung des Islam in Afghanistan mit der kommunistischen Machtübernahme dort und dem anschließenden Einfall der Sowjetarmee einsetzte, kritisiert Adam. Dass Danesch gerade gegenüber dem Usbekengeneral Raschid Dostum, einem der skrupellosesten Kriegsherren, Bewunderung an den Tag legt, findet Adam recht befremdlich. Überhaupt gereichen die persönlichen Zuneigungen und Abneigungen des Autors nach Adams Urteil dem Buch nicht eben zum Vorteil. "Dennoch", resümiert der Rezensent, "bietet Danesch alles in allem lohnenden Lesestoff, der einen ebenso großen Erfahrungsschatz wie ungebrochenes Engagement für eine Weltgegend widerspiegelt, die nicht aus dem Weltblick geraten darf."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.01.2003

Als "einen der besten Kenner Zentralasiens" führt Stefan Weidner den exil-iranischen Journalisten Mostafa Danesch ein, der seit zwanzig Jahren für deutsche Nachrichtenmagazine und Fernsehsender aus Afghanistan, dem Iran und der arabischen Welt berichtet und sich dabei, so Weidner, eine gesunde Äquidistanz zum Westen wie zur islamischen Welt angeeignet habe. In seinem Buch "Wer Allahs Wort missbraucht" finden sich nun die Früchte dieser Arbeit, freut sich Weidner. Der Autor liefere vorbildliche Analysen, ohne dabei Sachlichkeit mit Trockenheit zu verwechseln, schriftstellerischen Ehrgeiz mit einer allzu persönlichen Sicht. Im Gegenteil: Weidner erkennt eine geradezu abenteuerliche Lebendigkeit in den Berichten etwa über den Robespierre der iranischen Revolution, Ayatollah Chalchali, der Todesurteile im Minutentakt fällte, oder über die neue afghanische Regierung, für deren Mitglieder eine saubere Weste gleichbedeutend sei mit Machtlosigkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002

Mostafa Daneschs Blick auf den "Krisenherd islamische Welt" hat Rezensent Martin Forberg vollauf überzeugt. Neben "spannenden und bewegenden" Geschichten vermittle Danesch vor allem politische Hintergründe. Obwohl der Journalist die zweifelhafte Rolle, die die USA seit Anfang der achtziger Jahre in Afghanistan spielten, kritisch beleuchtet, ist das Buch nach Ansicht Forbergs weder antiamerikanisch, noch verbreitet es Verschwörungstheorien. Auch von einer Abneigung gegen Muslime sei in Daneschs Buch nichts zu spüren, da der Autor genau zwischen den Muslimen in ihrer Gesamtheit und denjenigen, die "Allahs Wort missbrauchen", zu unterscheiden wisse. Wie Forberg ausführt, plädiert Danesch im Anschluss an den ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Rabin gegen einen scheinbar religiös motivierten, letztlich aber politischen Fanatismus und für die "Heiligkeit des Menschenlebens".
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