Für Moshe Zuckermann steht fest, dass die Verwendung des Antisemitismus-Vorwurfs als Parole im vermeintlichen Kampf gegen Antisemitismus in eine fürchterliche Epidemie umgeschlagen ist. Längst schon sei sie zum Totschlag-Ideologem eines durch und durch fremdbestimmten Anspruchs auf politisch-moralische Gutmenschlichkeit geronnen. Ob man diese Epidemie heilen kann, wird sich erst erweisen müssen. Dass man sie erklären muss, scheint dringlicher denn je.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.04.2011
Rudolf Walther begrüßt diese Studie über den Begriffs des Antisemitismus von Moshe Zuckermann. Erhellend analysiert der israelische Historiker und Philosoph für ihn die Vieldeutigkeit dieses Begriffs und unterscheidet Verwendungsmöglichkeiten. Mit Lob bedenkt er vor allem Zuckermanns Kritik des Missbrauchs dieses Wortes. So zeigt der Autor in seinen Augen überzeugend auf, wie dieser Begriff sowohl in Deutschland als auch in Israel immer wieder instrumentalisiert und zu Zwecken politischer Legitimation verwendet wird. Walthers Fazit: "Für Nicht-Vernagelte nichts Neues, aber für viele schon."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2010
Rezensent Dietz Bering spart nicht an Kritik an diesem Buch, will es aber auch nicht gänzlich verdammen. Der israelische Historiker Moshe Zuckermann schreibt mit Furor gegen eine Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs an, die er seit einigen Jahren in Israel durch Benjamin Netanjahus Likud, aber auch in Deutschland am Zuge sieht, um Kritik an Israel abzuwehren. Bering nennt eine Reihe von Zuckermann angeführten politischen Auseinandersetzungen, in denen der Antisemitismus als Vorwurf im Raum stand, etwa beim Bericht des südafrikanischen Richters Goldstone zum Gaza-Krieg, die deutsche Debatte um Martin Walser und Ignaz Bubis, aber auch jüngere Eklats um Claude Lanzmann einerseits sowie Norman Finkielkraut und Ilan Pappe andererseits. Bering überzeugt das alles nicht, in seinen Augen hat sich Zuckermann in einen heiligen Zorn gesteigert, der mitunter pathologische Grenzen streife ("Raptus"!). Denn wenn Zuckermann den Antisemitismus so oft zu Unrecht ins Feld geführt sieht, hätte er sich doch, meint Bering, um eine klare Definition bemühen müssen. Doch davon finde sich in dem ganzen Buch keine Spur. Er gesteht dem Autor aber zu, sich aus moralisch ehrenwerten Motiven heraus zu enragieren.
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