Antisemitismus ist dem gesellschaftlichen Ideal nach geächtet. Und dennoch besteht er fort und findet als "Kritik" getarnte und dadurch scheinbar legitimierte Dämonisierung Israels eine weite Verbreitung. Julia Bernstein führt in das Phänomen des israelbezogenen Antisemitismus ein und stellt diesem konkrete Handlungsempfehlungen und Argumentationshilfen entgegen. So schafft sie die Grundlage für Fachkräfte innerhalb der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, um stereotypes Alltagswissen über den Nahostkonflikt als solches zu offenbaren, Mythen zu demaskieren - und Antisemitismus zu verunmöglichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.12.2021
In einer gemeinsamen Kritik erheben der Politikwissenschaftler Gert Krell und der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, die die Israelboykottbewegung trotz gerechtfertigter Einwände nicht per se antisemitisch finden, Einspruch gegen dieses Buch. Julia Bernsteins Thesen fassen sie so zusammen: Der Nahostkonflikt werde Israel von palästinensischer oder arabischer Seite aufgezwungen, er gründe in der Absicht, Israel zu zerstören, schon der Anspruch des Palästinenser auf das Land sei antisemitisch ebenso das Beklagen ihrer Vertreibung. Das ist in seiner Einseitigkeit maßlos, finden Krell und Brumlik, die der Frankfurter Soziologin vorwerfen, damit eine Politik des Großisraels zu rechtfertigen. Was Bernstein hier mit der palästinensischen Seite des Konflikts tue, erinnert die beiden an die Techniken, mit denen in offiziellen Antisemitismusdefinitionen eigentlich eine überzogene Kritik an Israel erkannt wird: "Dämonisierung, Delegitimierung und Doppelstandards".
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