Klappentext

Aus dem Chinesischen von Martina Hasse. Mo Yans neuer Roman beginnt am 1. Januar 1950 in der Hölle. Kurz zuvor ist durch Mao Tsetungs Landreformbewegung die traditionelle Ordnung des ländlichen China abgeschafft worden.Zwei Jahre lang hat Fürst Yama, der Herrscher der Unterwelt, den Grundbesitzer Ximen Nao jeder möglichen Folter unterworfen, um ihn zu zwingen, die Anklagepunkte zu akzeptieren, die zu dessen Hinrichtung durch die Kleinbauern führten. Aber Ximen Nao beteuert hartnäckig seine Unschuld. Widerwillig lenkt Yama schließlich ein und erlaubt Ximen, auf die Erde zu seinem früheren Besitz im verarmten Shandong zurückzukehren. Aber als dieser dort ankommt, findet er zu seiner Enttäuschung heraus, dass er nicht als Mann wiedergeboren wurde, sondern als Esel. Mit den Augen des Tieres verfolgt er nun das Schicksal seiner früheren Familie, seiner Freunde, Rivalen und Feinde. Weitere Wiedergeburten lassen ihn zu einem Stier, einem Schwein, einem Hund und einem Affen werden und schließlich zu einem Jungen mit großem Kopf, der ein verblüffendes Gedächtnis und ein Talent für Sprachen hat.
Aus der derben und außerordentlich unterhaltsamen Perspektive eines jeden Charakters - sowie von Mo Yan selbst, der immer wieder unterbricht, um Ereignisse zu kommentieren - erzählt dieser Roman die letzten 50 Jahre der stürmischen Geschichte Chinas.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2010

Die Wiedergeburten eines chinesischen Großgrundbesitzers als Ochse, Affe und Schwein haben Michael Müller amüsiert. Allerdings erkennt er auch die Symbolfunktion dieser Maskerade, mit der Mo Yan die dramatischen Entwicklungen in seinem Land während der letzten 50 Jahre präsentiert: Landreform, Großmachtstreben, Hungersnöte. Yans magischer Realismus hat den Rezensenten gekonnt durch ein halbes Jahrhundert chinesischer Geschichte geführt. Ein bisschen erschöpft ist er am Ende dennoch. Weil 812 Seiten eine Menge Lektürearbeit bedeuten, weil Yan gegen Ende etwas die Puste ausgeht, seine Schilderungen schließlich oberflächlich und die Erzählstruktur gedrängt wirken. Und weil das Thema dem Leser einiges abfordert. Yans Kritik an den Verhältnissen, so Müller, bleibe auf individuelle Schicksale beschränkt. Die Einordnung in den großen Zusammenhang bleibt dem Leser überlassen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2009

Rezensent Alex Rühle ist von Mo Yans Roman "Der Überdruss" physisch erschöpft. Und zwar, weil er mit ihm die Grausamkeiten der chinesischen Geschichte vom "Großen Sprung nach vorne" und der Kulturrevolution nacherlebt. Yan erzählt dabei so "kühl" und "kraftvoll", dass Rühle sich sicher ist, dass sich eine solche heftige Geschichtskritik an China sonst nirgendwo finden lässt. Den Vorwurf, dass sich Mo Yan immer in die Vergangenheit flüchtet und nie der Gegenwart zuwendet, hält er gleichwohl für absurd. Wer zusätzlich zu diesem Buch Mo Yans anderen Roman "Die Sandelholzstrafe" liest, den Rühle in der Kritik ebenfalls rezensiert, wird vom Gefühl her alle Danteschen Höllenkreise durchlebt haben, berichtet Rezensent Rühle als einer, der es getan hat. Nebenbei erzählt er noch, dass Mo Yan ein großer Verehrer von Gabriel Garcia Marquez ist.
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