Mirko Bonné

Ausflug mit dem Zerberus

Essays
Cover: Ausflug mit dem Zerberus
Schöffling und Co. Verlag, Reinbek 2009
ISBN 9783895614040
Gebunden, 460 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

"Ich stellte mir vor, ich wäre der Hundesitter der Unterwelt, und Persephone hätte mich rufen lassen, damit ich den Zerberus spazieren führe. Wie sieht der dreiköpfige Wachhund des Hades aus? Wohin mit ihm Gassi gehen?" Mirko Bonne wählt die ganze Welt für seinen Spaziergang mit dem Höllenhund. Die Reise führt nach Südamerika und in die Antarktis, nach New York und Amsterdam, an die Orte seiner Kindheit und Familie, auf den Mond und zurück. Den drei Augenpaaren des Zerberus entgeht nichts: Detaillierte, poetische Reisebetrachtungen wechseln in diesen klugen und zugleich unterhaltsamen Beobachtungen ab mit Exkursionen in die Kunstgeschichte, Erinnerungen an Strandurlaube und Clubkonzerte mit Überlegungen zu Leben und Literatur. Unterwegs auf den Spuren von Trakl, Sebald, Camus und Whitman erzählt der Autor auch von der Entstehung seiner eigenen lyrischen Werke und Romane.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2010

Martin Zingg zeigt sich sehr angetan von diesen Essays des Lyrikers und Romanciers Mirko Bonne. Keine Reiseberichte, Lektüreberichte, poetologische Erörterungen im konventionellen Sinn sind die Texte in seinen Augen, sondern eine gute, intelligente Mischung aus alldem. Wo der Autor den Leser auch hinführt - nach New York, Amsterdam, Tirol oder in die Antarktis -, er findet sich nach Zingg immer auch im Universum der Literatur wieder. In New York etwa ist Nabokovs "Pnin" dabei, in Mallorca Albert Camus und so weiter. Die Präsenz der Literatur wirkt für Zingg niemals aufdringlich, sondern eher als ein "Instrument der Welterkenntnis". Zudem schätzt er die Zwanglosigkeit, mit der sich die Assoziationen in diesen Texten einstellen, die nicht nur nach dem "richtigen" Reisen fragen, sondern auch nach dem, was Literatur zum "geglückten Leben" beitragen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2010

Nein, das ist keine Anmaßung. Erklärt zumindest Jan Wiele, wenn er uns die assoziativen Annäherungen Mirko Bonnes an Dichter wie Georg Trakl oder John Keats oder Walt Whitman vorstellt. Im Gegenteil, gerade weil Bonne seine Rezeptionsgeschichten, etwa auf Trakls Spuren in Tirol, zum Ausgangspunkt für eigene Lyrik nimmt und so eine für Wiele einzigartige Mischgattung zwischen Reportage, Lyrik und Erzählung schafft, sieht der Rezensent Bonne im Recht. Nicht nur lässt sich die Verzauberung durch Lyrik laut Wiele so nachempfinden. Bonnes Beobachtungen findet er zum Teil einfach glänzend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2010

Für Helmut Böttiger fügt sich Mirko Bonnes Prosaband in die Poetologie seiner Lyrik und seines Romans, denn auch in diesen Texten werde das "Schwebende" und das Changieren zwischen Realität und literarischer Möglichkeit als Einheit beschworen. Biografische und fiktive Personen, allen voran ein Großonkel und Albert Camus, spielen Schlüsselrollen in den Texten, und immer wieder dringen literarische Figuren oder Zitate in die Wahrnehmungen des Ich-Erzählers ein. Es entsteht ein "geheimnisvoller Assoziationsteppich", preist der Rezensent, der die sich daran anschließende "Zeit- und Gesellschaftsdiagnostik" wie Bemerkungen zur amerikanischen Politik, zur Architektur oder Musik interessiert zur Kenntnis nimmt. Und so sind diese Texte, die von einer Fahrt in die Arktis oder nach New York erzählen, einen über Camus arbeitenden Großonkel vorstellen oder die Entstehung eines Gedichts während einer Reise nachvollziehen, "angenehm zeitlos und immer gegenwärtig", so Böttiger fasziniert.
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