Mircea Cartarescu

Die Flügel

Roman
Cover: Die Flügel
Zsolnay Verlag, Wien 2014
ISBN 9783552056893
Gebunden, 672 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

"Es war das Jahr des Herrn 1989. Die Menschen hörten von Kriegen und von Aufständen, doch sie ängstigten sich nicht, denn das alles musste sich ereignen." So beginnt der Roman "Die Flügel" des Autors Cartarescu aus Rumänien, das Finale der "Orbitor"-Trilogie. Hintergrund bildet die Wandlung der Gesellschaft während der Revolution in Bukarest. Auf den Straßen spielen sich tumultartige Szenen ab, in der Wohnung des Ich-Erzählers läuft tagein, tagaus der Fernseher, und er taucht ein in die Geschichten seiner Vorfahren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2014

Den dritten und letzten Band von Mircea Cartarescus Romantrilogie "Orbitor" liest Andreas Breitenstein mit Mühe zwar, aber auch mit Gewinn. Wie der Autor Ceausescus Schreckensherrschaft und ihr Scheitern in kosmische Dimensionen treibt und sich für seine pralle Darstellung bei Religion, Wissenschaft und Kulturgeschichte bedient, hat Breitenstein beeindruckt. Das vielstimmige Sprachspiel aus Ironie, Erkenntnis, Horror und Satire lässt den Rezensenten an Proust und Joyce denken, an Ionescu und Bruno Schulz, die Bibel und Dante. Überwältigt von der allegorischen Dichte und dem psychedelischen Manierismus der Visionen und Erinnerungen in diesem Buch kann der Rezensent nur staunen, wie unterhaltsam der Totalverzicht auf Erzählökonomie sein kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2014

Streift den Kitsch und ist in seiner Abgründigkeit kaum zu erfassen, meint Sabine Berking über diesen im Original bereits 2007 erschienenen Roman des Rumänen Mircea Cărtărescu. Das Buch bildet den Abschluss zu Cărtărescus Orbitor-Trilogie, lernen wir, und ist eine Orgie der Gewalt und der Bildhaftigkeit, durch die sich die Rezensentin nur mit viel Mühe und Konzentration zu arbeiten vermag. Was der Autor hier mit alttestamentlicher Fantastik inszeniert, ist für Berking eine Art Horrormärchen aus der Ära Ceaușescu. Um die Revolution geht es allerdings nur vordergründig, erklärt die Rezensentin, dahinter erwartet den Leser offenbar ein Panoptikum des Bösen, Kafkaeskes und eine skurrile Doppelgängergeschichte, die der Autor mit einer Riesenportion sprachlichen Übermuts erzählt, wie Berking einigermaßen erschöpft wissen lässt. Ein Sprach- und Erzählkunstwerk erkennt sie in dem Buch allemal.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.09.2014

"Was in diesem Roman geschieht, lässt sich bei Tageslicht kaum nacherzählen", stellt Jörg Magenau klar, aber versuchen muss er es natürlich trotzdem. "Die Flügel" ist der Abschluss von Mircea Cărtărescus "Orbitor"-Romantrilogie, in der sich der Autor in die Zeit vor dem Ende der Ceaușescu-Ära zurückversetzt, "als das Wort noch Systeme erschütterte". Zugleich behält Cărtărescu aber auch die Jahrmilliarden seit Beginn der Zeit und die Apokalypse im Blick, den ganzen kosmischen Strom des Seins also, weniger das alltägliche Detail. Das findet der Rezensent auf der einen Seite durchaus eindrucksvoll, schon in seiner sprachlichen Verschwendungslust, die ihren Ursprung in der Lyrik deutlich spüren lässt. Auf der anderen Seite fühlt sich Magenau jedoch bisweilen überfordert von der überbordenden Phantasie des Autors und wünscht sich mehr von den konkreten, realistischen Episoden, die ihm beim Lesen Halt geben.
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