In seinem epochalen Buch "Wahnsinn und Gesellschaft" unternahm Michel Foucault eine Archäologie der Trennung von Wahnsinn und Vernunft. Seine Untersuchungen enden dort mit der Medizinisierung des Wahnsinns zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In der hier vorliegenden Vorlesung am College de France nimmt Foucault den Faden wieder auf, verschiebt aber zugleich seine Deutungsperspektive. Nun geht es ihm um eine Genealogie der modernen Psychiatrie und der spezifischen Wissensformen, die sie hervorgebracht hat. Man kann, das ist die These dieses Buches, den Erkenntnissen der Psychiatrie über den Wahnsinn nur dann Rechnung tragen, wenn man sie ausgehend von den Dispositiven und den Wissenstechniken analysiert, die die Behandlung der Kranken bestimmen. Die Psychiatrie ist nicht Ergebnis eines neu gewonnenen Wissens über den Wahnsinn, sondern Resultat von disziplinären Dispositiven, die fortan dieses Wissen organisieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.01.2006
Erfreut zeigt sich Rezensent Wolfgang U. Eckart über diesen Band mit Michel Foucaults Vorlesungen über die "Macht der Psychiatrie", die er am College de France 1973-1974 gehalten hatte. Wie Eckart berichtet, nimmt der französische Philosoph und Sozialhistoriker (1926-1984) in den 12 öffentlichen Vorlesungen das Thema seines erfolgreichen Werks "Wahnsinn und Gesellschaft" von 1961 wieder auf und erweitert zugleich seine Deutungsperspektive. Nun gehe es ihm nicht mehr allein um die gesellschaftlichen Strukturen von Geisteskrankheit, sondern um eine Genealogie der modernen Psychiatrie sowie um jene spezifischen Denk- und Wissensformen, die sie in ihrer Genese als medizinische Disziplin hervorgebracht hat. Beeindruckt hat Eckart insbesondere der wissenschaftliche Apparat des Bandes von Jacques Lagrange, der die Vorlesungsreihe aus Tonbandmitschnitten akribisch ediert hat. Ein Lob geht auch Claudia Brede-Konersmann und Jürgen Schöder, die den Text "elegant" ins Deutsche übertragen haben. Insgesamt würdigt er Foucaults Vorlesungen über die "Macht der Psychiatrie" als ein "Feuerwerk philosophisch geleiteter Wissenschaftsgeschichte". Leichte Kost sind die Vorlesungen allerdings nicht. Die Sammlung fordere ein bewusstes Lesen und "entfaltet ihren intellektuellen Charme in der permanent produktiven Verunsicherung des Lesers".
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