Herausgegeben von Torsten Hahn, Jutta Person, Nicolas Pethes. Die wachsende Aufmerksamkeit der Mediziner für die Artikulation der Irren führte im 19. Jahrhundert zur Entstehung von "wahnsinnigen" Texten, etwa dem Nothschrei eines magnetisch Vergifteten von 1852. Drei Beispiele sind hier nachzulesen. Wie sich die Wissenschaft vom Wahnsinn mit Hilfe solcher Texte konstituierte, wird in anschließenden Beiträgen unter anderem von Michel Foucault und Sander L. Gilman diskutiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.05.2003
Rezensent Arno Orzessek bezeichnet "Grenzgänge zwischen Wahn und Wissen" als "bewundernswert vielseitig". Hier werde die Zeitspanne von der Etablierung der Psychiatrie in Deutschland bis zum Aufkommen der Psychoanalyse als eine Zeit vorgeführt, in der die Theorienbildungen des Wahnsinns als das Unbewusste der Wissenschaft lesbar geworden seien, was vor allem anhand zahlreicher Schriften von Kranken deutlich werde. Neben den elf Aufsätzen und der Neuübersetzung eines Beitrags von Foucault lobt der Rezensent besonders Walter Benjamins Essay "Bücher von Geisteskranken". Er findet, der Band gehört in jede "pathologische Bibliothek".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.08.2002
Der Wahn, das zeigen die Beiträge dieses Bandes, ist von dieser Welt und bedient sich gerne wissenschaftlicher Erkenntnisse. Vier Fallbeispiele werden vorgeführt, etwa das von Friedrich Krauß, der 1815 unter Wahnvorstellungen leidet, deren "Logik" Magnetismus, Mesmerismus und Äther-Theorie voraussetzt, also zeitgenössischer Wissenschaft. Krauß hielt sich für eine weltweit ferngelenkte "Drahtpuppe", ganz wie - so der Rezensent Niels Werber - ein "Cyber warrior der Zukunft", oder auch: ein Mann auf Radio-Empfang, vor Erfindung des Radios. Was der Band belegt, auch an den drei anderen Beispielen, ist die enge Verdrahtung von "Wahnsystem" und "Medienlandschaft". Der Rezensent zeigt sich fasziniert und hält das Buch für "ausgezeichnet".
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