Michail Schischkin

Die Eroberung von Ismail

Roman
Cover: Die Eroberung von Ismail
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2017
ISBN 9783421046437
Gebunden, 512 Seiten, 26,99 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Andreas Tretner. Es beginnt mit der Erschaffung der Welt - in einem Abteil der Belebeier Schmalspurbahn, tief in der russischen Provinz. Und damit, dass Alexander Wassiljewitsch, gestandener Provinzadvokat und Anwalt der Erniedrigten und Beleidigten, seinen Lebenslauf fürs Kompendium der Gerichtsrede zu schreiben hat. Daraus erwächst eine große Abrechnung, etwas wie Russlands Jüngster Tag. Im Zeugenstand die hohe Literatur: von Tolstois "Auferstehung", dem berühmtesten aller russischen Gerichtsromane, über Dostojewskis "Verbrechen und Strafe" bis hin zu Olga, Katja, Mascha, Larissa, all den tapfer beharrenden und tragisch vergehenden Frauen im Roman wie im Leben. Und immer wieder schieben sich die Erlebnisse eines jungen Mannes dazwischen, der Michail Schischkin heißt und vom chaotischen Moskau der 1990er Jahre einen langen Abschied nimmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.09.2017

Als hielte sich die Rezensentin bisweilen nur an der "bravourösen" Übersetzung von Andreas Tretner fest. Ganz schwindelig wird Katrin Hillgruber beim Lesen von Michail Schischkins Debütroman, der sie nicht nur mit der Familiengeschichte des Autors durch bewegte russische Zeitläufe bekannt macht, sondern allerhand literarische und historische Anspielungen, Unmengen Zitate und Erläuterungen auffährt, wie die Rezensentin erklärt. Gleich zwei Ich-Erzähler braucht das natürlich. Und Überblendungen von Sprechern und Epochen, meint Hillgruber erschöpft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2017

Für Ulrich M. Schmid hebt Michail Schischkin den russischen Roman auf eine neue Stufe, indem er seine eigene Biografie in einer Reihe unterschiedlicher, teils historisch beglegter Erzählungen spiegelt und diese wieder kunstvoll mit literarischen Vorbildern, mit Turgenjew und Tschechow verschränkt. Diese Sinnschaffung scheint Schmid für den Text fundamental. Dass die deutsche ("kongeniale") Übersetzung so lange gedauert hat, wundert den Rezensenten nicht. Derart ungewöhnlich in der Verschränkung der Genres und derart komplex findet er den Text. Der Schlüssel zum Ganzen steckt im Epilog, verrät Schmid und meint: Der Autor meistert die Aufgabe, "das Mängelwesen Mensch in eine sinnerfüllte Welt zu führen".