Während die Kunst kommerzieller wird, ästhetisiert sich die Wirtschaft. Wie vertragen sich die unterschiedlichen Wertsphären? Wie stoßen diejenigen, die in diesen "ernsten Spielen" engagiert sind, gegenseitig Neues an? Michael Hutter hat einige konkrete Fälle aus der Geschichte der Bildkunst beobachtet, um damit die Entwicklung hin zum "ästhetischen Kapitalismus" zu erklären. Drei Geschichten befassen sich mit künstlerischen Erfindungen, die zu neuen Märkten für Erlebnisgüter geführt haben: Raumillusion durch die Linearperspektive, Geschmacksbildung durch Konversationsbilder und Serialität durch Pop-Art und Architektur. Drei weitere Geschichten fragen nach dem Einfluss der kommerziellen Spiele auf ästhetische Erfindungen. Der Umgang mit Bildobjekten von Petrus Christus, Pieter Aertsen, Antoine Watteau, Èdouard Manet, Andreas Gursky und Takeshi Murakami wird rekonstruiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2016
Merklich interessiert folgt der hier rezensierende Germanist Jochen Hörisch den Ausführungen Michael Hutters über die im systemtheoretischen Sinne verstandenen Systeme der Kunst und der Ökonomie und über das, was sie trennt und mehr noch verbindet. Hörisch konzediert, dass die Begriffe des Bielefelder Systematikers Niklas Luhmann, der Hutter inspiriert,recht unsexy klingen, wobei er den hier wichtigen Begriff der "Interpenetration" ausnimmt. Die Sphären sind nach Hutter/Luhmann/Hörisch nämlich getrennt und doch durch vieles verbunden, etwa durch die Lust, "ernste Spiele" zu spielen, deren Regeln man auch verändern kann, oder durch die Lust auf neue Formeln. Von der Anwendung kapitalistischer Prinzipien der Gewinnmaximierung auf künstlerische Serien bei Warhol oder Gursky mal ganz abgesehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2016
Es scheint sich bei diesem Buch um Darlegungen aus der Tradition der Systemtheorie zu handeln, wenn man der Rezension der Kunsthistorikerin Christiane Kruse glaubt - auch wenn der Autor Ökonom ist und im wesentlichen von Kunst, oder genauer, der prägenden Interaktion von Kunst und Kapital handelt. Ab 1400 treten diese beiden "autonomen Wertsphären" demnach in eine Interaktion, treiben miteinander ein "ernstes Spiel". Ihr gemeinsames Kind ist laut Kruse die Zentralperspektive. Und fortan schufen Künstler für ihre Auftraggeber "Spiele der Macht mit Hilfe von Illusionsräumen" - ganze Gebäude, inklusive Petersdom, scheinen errichtet, um zentralperspektivisch Eindruck zu machen. Den zweiten Teil des Buchs erwähnt die bis dahin merklich angeregte Rezensentin nur kurz. Hier geht's um Warhol und Louis Vuitton und überhaupt um die "Austreibung des Geistes aus der Kunst mit den Techniken der Ökonomie".
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